Tierschutz: Limburg: Streit um Taubentötung spitzt sich zu

Seit 2023 verfolgt Limburg den kontroversen Plan, 200 Tauben einfangen und töten zu lassen. Nun könnte eine Entscheidung des hessischen Umweltministeriums das Vorhaben vereiteln

Apr 2, 2025 - 15:12
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Tierschutz: Limburg: Streit um Taubentötung spitzt sich zu

Seit 2023 verfolgt Limburg den kontroversen Plan, 200 Tauben einfangen und töten zu lassen. Nun könnte eine Entscheidung des hessischen Umweltministeriums das Vorhaben vereiteln

Limburg, so glaubt man dort, hat ein Taubenproblem. Um überzählige Tiere aus der Welt zu schaffen, will die mittelhessische Stadt 200 Tiere einfangen und mit Schlägen auf den Kopf töten lassen. Die Zustimmung zu dem rabiaten Vorhaben hatte der Magistrat der Stadt sich 2024 in einem Bürgerentscheid bestätigen lassen.

Tierschützende und Taubenfreunde allerdings waren entsetzt. Und offenbar gibt es auch in der Landesregierung wenig Sympathie für den Plan: Am 26. März dieses Jahres hob das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt einen Erlass aus dem Jahr 2022 auf, nach dem Stadttauben keine Wildtiere seien. Eine Entscheidung, die für das Vorhaben der Limburger das Aus bedeuten könnte. Denn Wildtiere, die nicht dem Jagdrecht unterliegen, dürfen laut der Bundesartenschutzverordnung nicht in Fallen gefangen – und schon gar nicht getötet werden.

Mehrere Tierschutzorganisationen hatten das Ministerium zuvor auf die Rechtswidrigkeit des Erlasses hingewiesen. Und konnten sich dabei auf mehrere Gerichtsentscheidungen stützen. Auch das hessische Verwaltungsgericht hatte bestätigt, dass nicht nur Wildtierarten, sondern auch wild lebende Stadttauben von der Bundesartenschutzverordnung geschützt sind.

Tierschutzbund: "Limburg muss seine grausame und sinnlose Tötungsaktion abblasen!"

"Die Entscheidung [des Umweltministeriums] dürfte maßgeblichen Einfluss auf den Umgang mit den Stadttauben in Limburg haben", kommentiert Christian Schönwetter, Referent für Tierschutzrecht beim Deutschen Tierschutzbund.

Doch noch ist die radikale Lösung des Problems nicht vom Tisch. Es bräuchte dafür nun allerdings eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Die habe man schon aufgefordert, eine Genehmigung zu verweigern, sagt Claudia Gerlach von der Tierrechts-Organisation Menschen für Tierrechte. "Außerdem haben wir die Veterinärbehörde aufgefordert, keine Erlaubnis zu geben." Denn die Tötung von 200 Tauben sei für eine dauerhafte, tierverträgliche Reduktion der Taubenzahlen in der Stadt weder geeignet noch erforderlich noch verhältnismäßig. Damit fehle der im Tierschutzgesetz geforderte "vernünftige Grund" für das Töten von Tieren.

Die Stadt gibt sich gleichwohl unbeugsam: Nach Informationen der Deutschen Presseagentur ist man in Limburg weiterhin entschlossen, die Tötung planmäßig zum 22. April zu starten.

Proteste und Klageandrohungen seit 2023

Seit Ende 2023 wird die Stadtverwaltung Limburg von Tierschutz- und Tierrechtsvereinen und engagierten Taubenschützenden – auch unter Androhung von Klagen und Strafanzeigen – aufgefordert, die Aktion abzusagen.

Ein Hilfsangebot zur Einführung eines tierfreundlichen Stadttaubenkonzepts ignorierte die Stadt, wie der Tierschutzbund beklagt. Auch das Angebot eines Gnadenhofs in Bayern, 200 Tauben aufzunehmen: angeblich zu teuer. Stattdessen veröffentlichte Limburg im März 2025 eine Ausschreibung für die Tötung.

"Aus Tierschutzsicht hoffen wir sehr, dass sich die Stadt Limburg nach so langer Zeit endlich für ein tierfreundliches und nachhaltiges Populationsmanagement von Stadttauben entscheidet", sagt Kerstin van Kann, Pressereferentin beim Deutschen Tierschutzbund. "Ob die Stadt von ihren Plänen abrückt oder die geplante Tötung der Tiere nun durch andere Maßnahmen ins Auge fasst, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Wir werden Strafanzeige stellen, sobald das erste Tier getötet wurde."