News: DFB, Brian Clough, Viktor Gyökeres

Deutschland schlägt Italien. Goretzka und Kimmich spielen grandios auf. Und sorgen für eine große Unwahrscheinlichkeit im europäischen Fußball. Das und mehr im Newsletter.

Mär 21, 2025 - 08:52
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News: DFB, Brian Clough, Viktor Gyökeres

Kimmich auf Goretzka

Manche Geschichten sind so vorhersehbar, dass man sie fast mitsprechen kann. Leon Goretzka kehrte gestern nach 16 Monaten zurück ins DFB-Team und köpfte prompt den 2:1-Siegtreffer gegen Italien. Ausgerechnet er! Ausgerechnet Goretzkinger! Eine „runde Geschichte“ sei das, sagte Goretzka nach dem Spiel und zwang sich ein spitzbübisches Lächeln ab, die Genugtuung war ihm ins Gesicht geschrieben. Abgesungen, fast schon zu Grabe hatte man den 30-Jährigen getragen. Er war zum bemitleidenswerten Gesicht des radikalen Neuanfangs geworden, der unter Bundestrainer Julian Nagelsmann stattgefunden hatte. Ein moderner Wendeverlierer. Goretzkas Ausbootung passte zur Erzählung der erfolglosen 95er-Generation – eben jenem Jahrgang, zu dem Goretzka und auch Kimmich zählen, der im DFB-Dress bis heute nichts gewonnen hat. Umso glücklicher zeigte sich Goretzka gestern spät am Abend, als er zugab: „Bei der Nationalhymne hat’s mich mehr gepackt als ich vorher gedacht hätte.“

Zur Rundung des Abends trug aber auch Joshua Kimmich entscheidend bei. Wieder als Rechtsverteidiger eingesetzt, zeigte er das beste Länderspiel seiner jüngeren Karriere, bereitete erst den Ausgleich durch Tim Kleindienst vor und schlug fünfzehn Minuten vor Schluss die Flanke, die auf Goretzkas Schädel landete. Die beiden Bayern-Profis verhalfen dem DFB-Team im Mailänder San Siro somit dabei, dass es zu einer großen Unwahrscheinlichkeit im europäischen Fußballs gekommen war. Denn vorbei sind offenbar die Zeiten, in denen eine italienische Nationalmannschaft nach Führung Schloss und Riegel vor dem eigenen Tor anbringt, um das Ergebnis über die Runden zu bringen. Erklärbar ist das einerseits mit dem offensiven Spielansatz von Trainer Luciano Spalletti. Aber auch mit einer kleinen Zeitenwende, die noch immer in der Luft liegt und längst nicht abgeschlossen ist. In der ein Langhals aus Jüterbog den Italienern den Stecker zieht. Und in der längst Eingesargte wie Kai aus der Kiste gesprungen kommen. „Wir wollen 2026 Weltmeister werden“, hatte Julian Nagelsmann unmittelbar nach dem EM-Aus im vergangenen Sommer gesagt. Arroganz wurde ihm von Kritikern vorgeworfen, ein Traumtänzer sei dieser Typ. Gestern hat das DFB-Team einmal mehr gezeigt, woher der Optimismus des Bundestrainers rührt.

Best of Liveticker

Jetzt gewinnt die DFB-Elf sogar schon nach Rückstand in Italien. Und das auch noch durch ein Tor von Leon Goretzka! Ausgerechnet! Macht bis in die Morgenstunden Laola: der Ticker.

Hier gibt es den Liveticker in der Nachlese:
GORETZKAAAAA!

Lieber zu Swansea

Viktor Gyökeres ist der heißeste Scheiß auf dem Stürmermarkt. Der Schwede schießt im Trikot von Sporting Lissabon seit geraumer Zeit die Netze kaputt. In den vergangenen zwei Jahren traf er insgesamt 83-mal in 91 Spielen. Sein Marktwert wird mittlerweile auf 75 Millionen Euro, wie wir Transaktionsanalysten gern sagen: taxiert. Kein Wunder also, dass längst Klubs aus der Premier League ihre Fühler nach dem 26-Jährigen ausstrecken. Zu Tottenham Hotspur, dem Ligavierzehnten, wird Gyökeres aber wohl kaum wechseln. Mutmaßen zumindest die Insider.

Lissabons Gyökeres:
Das Monster aus dem Norden

Das Leben des Brian

Er kenne bloß zwei Spieler des Gegners, behauptete Trainer Brian Clough 1980 wenige Tage vor dem Europapokal-Endspiel gegen den HSV: Kevin Keegan und Manni Kaltz. „Kaltz?“, fragte Clough. „Hinten rechts. Aber wissen Sie was: Wir haben einen kleinen fetten Typen, der ihm Knoten in die Beine spielen wird.“ Die Mannschaft von Nottingham Forest setzte sich zur Spielvorbereitung kurz darauf ab nach Cala Millor, Mallorca. Cloughs Plan: Vor dem größten Spiel ihres Lebens brauche es Sonne und Bier. Kurz vor Anpfiff fiel Clough dann noch ein dritter HSV-Spieler ein: „Horst Hrubesch? Ach, der braucht doch eine halbe Stunde, um sich zu drehen.“ Nach 20 Minuten fiel das Tor des Tages. Erzielt hatte es John Robertson, den Clough zuvor den „König der Faultiere“ getauft hatte. Der Siegesmarsch von Nottingham Forest durch Europa ist eine so wundersame Geschichte, wie sie womöglich nicht mehr stattfinden wird. Der legendäre Brian Clough, der sie erfunden hat, wäre heute 90 Jahre alt geworden.

Der legendäre Brian Clough in Nottingham:
Die Rache des Brian

Geiler Stoff

Ihr habt gewählt: Das schönste DFB-Trikot ever, ever, ever ist der Schmachtfetzen der WM 1990 (16,7 Prozent). Gefolgt vom Weltmeistershirt 1974 (15,1 Prozent) und dem Trikot der EM 1996 (12,7 Prozent). Auf Platz vier landete das 54er-Trikot (7,4 Prozent) und auf dem fünften Rang ist das pinke DFB-Shirt, das erstmals letztes Jahr zum Einsatz kam (6,3 Prozent). Die rote Laterne hat das WM-Trikot von 2022 (0,6 Prozent). Abgestimmt haben 1273 Fashiondesigner. Danke dafür!

Knobelhobel

Tjaaa. Die Gemeinsamkeit von Steffen Baumgart, Sebastian Hoeneß, Julian Schuster, Frank Schmidt und Dino Toppmöller, nach der wir gestern fragten, ließ sich nicht so leicht ergoogeln, wa? Dabei ist doch klar: Alle haben schon als Spieler für den Verein gekickt, den sie heute trainieren. Da kamen nicht sonderlich viele drauf. Heute wird’s wieder simpler: Wessen Karriereverlauf sehen wir hier? Lösungen an newsletter@11freunde.de.

Wie geht's weiter?

Unser Blut gefriert, ein ganzes Land hält den Atem an. Alles guckt gebannt in die Regionalliga Nord: Kickers Emden, Dritter, gegen SC Weiche Flensburg, Zehnter. Später spielen dann noch die Nordiren gegen die Schweizer. Zum Runterkommen.

Habt ein behutsames Wochenende!