André Dragosch im Interview: „Gold und Bitcoin können Portfolios optimieren!“

Steigende Schulden weltweit, geopolitische Spannungen, ein aufziehender Handelskrieg und die Sorgen vor einem neuen Wettrüsten machen auch vor den Börsen nicht halt. Viele Anleger suchen in unsicheren Zeiten nach Möglichkeiten, um ihre Portfolios abzusichern. Dabei haben sich 2 Assetklassen als Wertaufbewahrungsmittel etabliert: Gold und Bitcoin. Das Edelmetall ist schon seit 5.000 Jahren ein sicherer Hafen, […] Der Beitrag André Dragosch im Interview: „Gold und Bitcoin können Portfolios optimieren!“ erschien zuerst auf ftd.de.

Apr 1, 2025 - 13:18
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André Dragosch im Interview: „Gold und Bitcoin können Portfolios optimieren!“
Andre Dragosch (Foto: Bitwise) André Dragosch im Interview: "Gold und Bitcoin können Portfolios optimieren!"

André Dragosch (Foto: Bitwise)

Steigende Schulden weltweit, geopolitische Spannungen, ein aufziehender Handelskrieg und die Sorgen vor einem neuen Wettrüsten machen auch vor den Börsen nicht halt. Viele Anleger suchen in unsicheren Zeiten nach Möglichkeiten, um ihre Portfolios abzusichern. Dabei haben sich 2 Assetklassen als Wertaufbewahrungsmittel etabliert: Gold und Bitcoin.

Das Edelmetall ist schon seit 5.000 Jahren ein sicherer Hafen, um Vermögen abzusichern. Der Bitcoin wiederum gilt als „digitales Gold“, das irgendwann vielleicht sogar Gold den Rang ablaufen könnte. Wir sprachen darüber mit André Dragosch, Head of Research bei Bitwise, warum es sinnvoll sein kann, beide Assets zu halten.

ftd.de: Herr Dragosch, Gold erlebt derzeit einen Höhenflug. Jüngst wurde erstmals die Marke von 3.000 US-Dollar pro Unze geknackt. Was macht das Edelmetall derzeit so begehrt?

André Dragosch: Einen einzelnen Faktor gibt es nicht, es hat mehrere Ursachen. Zum einen sehen Investoren weltweit steigende Staatsschulden. Das nimmt in vielen Ländern beängstigende Ausmaß an. Besonders problematisch ist die Situation in den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt. Die Staatsverschuldung hat dort mit 36 Billionen US-Dollar  – 123 Prozent des BIP – ein historisches Rekordniveau erreicht. Das Schuldenwachstum hat sich nach dem Corona-Jahr 2020 erheblich beschleunigt und wuchs mit 7,43 Prozent per annum. Das Wachstum der US-Wirtschaft wurde also teuer erkauft. In Verbindung mit den steigenden Haushaltsdefiziten in anderen Ländern sorgt dies für eine stetige Nachfrage bei Investoren. Der Ausbruch des Ukraine-Kriegs hat jedoch bei vielen Staaten und Notenbanken für ein Umdenken gesorgt.

ftd.de: Was genau war die Ursache hierfür?

Dragosch: Die USA und verbündete Länder haben infolge des Einmarsches Russlands in sein Nachbarland auch mit massiven finanziellen Sanktionen reagiert. So wurden russische Vermögenswerte im Ausland eingefroren, darunter auch US-Staatsanleihen. Dies führte zu einem wachsenden Misstrauen gegenüber dem US-Dollar und den Bonds der Vereinigten Staaten. Und es stellt auch in den Augen vieler Länder und Ökonomen die etablierte globale Währungsordnung in Frage.

ftd.de: Welche Reaktionen hatte dies zur Folge? schließlich waren ja erst einmal vor allem Russland und russische Staatsbürger von diesen Sanktionen betroffen?

Dragosch: Aufgrund dieser Sanktionen und dem Einfrieren von Auslandsguthaben ist das Vertrauen in die Sicherheit von US-Staatsanleihen massiv gesunken. Offensichtlich haben sich viele Staatslenker gefragt, ob ihre US-Staatsanleihen sicher sind, wenn sich die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten einmal abkühlen oder gar massiv verschlechtern.  In der Folgezeit traten verstärkt Notenbanken als Käufer am Goldmarkt auf und der Goldanteil an deren Reserven stieg. Umgekehrt wurden US-Staatsanleihen in den Reserven reduziert. Vor allem China, aber auch viele andere Länder haben so ihr Risiko in US-Staatsanleihen reduziert. Laut der globalen Branchenorganisation World Gold Council sind die Notenbanken seit Jahren die größten Käufer am Goldmarkt.

ftd.de: Und wie spielt da die neue Zollpolitik der US-Regierung hinein?

Dragosch: Das erhöht natürlich die Unsicherheit für Börse und Wirtschaft noch mehr und dürfte das Vertrauen in die USA und seine Bonds weiter senken. Denn eine mögliche Erhöhung der Einfuhrzölle könnte die Inflation der Einfuhrpreise anheizen. Zudem könnte es dadurch wieder zu Verzögerungen in Lieferketten kommen und zu einem Anstieg der Rohstoffpreise. Am Ende führt das zu einer höheren Inflation und das stärkt die Nachfrage nach wertsicheren Anlagen, also alternativen Hard Assets wie Gold oder Bitcoin.

Es ist nicht verwunderlich, dass die Anleger nach alternativen Hard Assets suchen, um ihre Anlagen zu diversifizieren, insbesondere aus US-Treasuries.

ftd.de: Apropos Bitcoin: Die Kryptowährung zeigte sich nach dem Wahlsieg von Donald Trump nicht so stabil wie es von manchen  erhofft wurde. Zwar wurde schnell die runde Marke von 100.000 US-Dollar erreicht, aktuell geht es aber bergab. Ist der Bitcoin wirklich ein Wertaufbewahrungsmittel wie es Gold zugeschrieben wird?

Dragosch: Den Bitcoin macht eine Besonderheit aus, die auch Gold kennzeichnet: Im Gegensatz zu Fiat-Währungen wie den Dollar oder den Euro kann der Bitcoin nicht einfach gedruckt und so seine Zahl in die Höhe getrieben werden. Beim Bitcoin ist die Endlichkeit in der DNA programmiert. Sobald die Krypto-Miner 21 Millionen Coins geschürft haben, ist Schluss. Damit eignet sich Bitcoin wie Gold als infaltionsresistentes Wertaufbewahrungsmittel. Daneben hat Bitcoin aufgrund der besseren Übertragbarkeit im Vergleich zu physischem Gold einen Vorteil. Nicht zuletzt darf man den Bitcoin wie fast alle Anlagen nicht kurzfristig betrachten. Langfristig zeigte sich, dass Investoren mit Bitcoin die Performance ihres Portfolios steigern können. Unsere Analysen zeigen, dass mit einem Anteil von 3 bis 5 Prozent Bitcoin am Depotvolumen Anleger in der Vergangenheit über 5 und 10 Jahre ihre Gesamtrendite verdoppeln konnten.

Eine ausgewogene Allokation zwischen Bitcoin und Gold kann die risikobereinigten Renditen optimieren.

ftd.de: Ist Bitcoin also bereits das „digitales Gold“, als das es viele Fans sehen?

Dragosch: So kann man es sehen, allerdings gibt es auch noch Unterschiede zum Gold. Das Edelmetall ist nach wie vor der dominante Ankerplatz für Investorengelder und eine starke Absicherung gegen Marktabschwünge. Bitcoin ist volatiler, aber bei Erholungen bietet er höhere Renditen. Bitcoin weist zudem eine geringere Korrelation mit US-Staatsanleihen auf, was ihn zu einem wertvollen Diversifizierungsinstrument macht, insbesondere als Absicherung gegen Zahlungsausfälle von Staaten. Eine ausgewogene Allokation zwischen Bitcoin und Gold kann die risikobereinigten Renditen optimieren.

ftd.de: Bitwise Asset Management hat einen ETP vorgestellt, der Gold und Bitcoin vereint. Wie funktioniert dieser ETP?

Dragosch: Das Bitwise Diaman Bitcoin & Gold ETP (BTCG) ist ein in Deutschland emittiertes ETP und bildet den Diaman Bitcoin & Gold Index ab. Dieser ETP ist vollständig durch Gold und Bitcoin besichert – mit professioneller Verwahrung. Dabei setzen wir auf eine dynamische Allokationsstrategie, bei der zyklische Marktbewegungen und temporäre Preiskorrekturen zur Performance-Optimierung genutzt werden. Die Strategie zielt darauf ab, von zyklischen Trends und relativen kurzfristigen Preisverwerfungen zu profitieren. Insofern kombiniert der ETP die stabile Werterhaltung von Gold mit der wachsenden Rolle von Bitcoin als Inflationsschutz und Performance-Treiber. Im Moment ist das Produkt auf den Wertpapierbörsen Euronext Paris und Amsterdam notiert, und soll in den kommenden Wochen auch an die Xetra kommen.

ftd.de: Herr Dragosch, vielen Dank für das interessante Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

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