Mit Video: Nika und ich – Felipe Ravina über seine besondere Freundschaft zu einem Wal
Vor Teneriffa sucht eine junge Waldame immer wieder Kontakt zum Meeresforscher Felipe Ravina Olivares. Er nennt sie Nika. Seine Mission: ihre Welt zu beschützen

Vor Teneriffa sucht eine junge Waldame immer wieder Kontakt zum Meeresforscher Felipe Ravina Olivares. Er nennt sie Nika. Seine Mission: ihre Welt zu beschützen
Für Felipe Ravina, Ozeanforscher und Dokumentarfilmer aus Teneriffa, gibt es nichts Schöneres als das Meer: Seit langem setzt er sich für den Schutz der besonderen Unterwasserwelt der Kanarischen Inseln ein. Er hat in der Tiefe wundersame Geschöpfe gesehen. Mit einem aber verbindet ihn seit zwei Jahren eine besondere Freundschaft: mit dem Grindwal "Nika".
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GEO: Herr Ravina, im Oktober 2023 hatten Sie vor Teneriffa, im Meeresschutzgebiet "Teno Rasca", eine Begegnung besonderer Art. Was ist passiert?
Ich war im Wasser, um eine Grindwal-Familie zu filmen. Aber eines der Tiere schob sich immer wieder direkt vor die Kamera, später folgte es unserem Boot. Bei der Auswertung meiner Aufnahmen stellte ich fest: Genau diese Wal-Dame hatte ich schon zwei Jahre zuvor einmal kennengelernt und gefilmt. Wir hatten sie "Nika" getauft.
Wann immer ich in den folgenden Tagen und Wochen in diesem Meeresgebiet unterwegs war, tauchte auch Nika auf. Sie schwamm direkt auf mich zu, drehte sich auf den Rücken, steckte den Kopf aus dem Wasser und sprang verspielt in die Luft. Sie ist unglaublich zutraulich, und zwar ausschließlich mir gegenüber – bis heute.
Grindwale werden bis zu acht Meter lang, drei Tonnen schwer, manchmal 80 Jahre alt. Sie sind hocheffiziente Jäger der Unterwasserwelt: Ist so ein Verhalten wie das von Nika schon oft beschrieben worden?
Noch nie! Manche Grindwale sind zwar neugierig, aber eigentlich höchstens für ein, zwei Minuten. Ein Jungtier wie Nika, die ja gerade einmal acht Jahre alt ist, würde sich eigentlich niemals von seiner Mutter und seiner Familie trennen.
© IOFT
Hatten Sie keine Angst?
Nein, ich hatte, mit einer Sondergenehmigung der Behörden, schon oft Grindwale unter Wasser gefilmt. Solange man sie respektiert, sie nicht in Bedrängnis bringt und die Körpersprache ein wenig zu lesen weiß, greifen sie einen nicht an. Wenn sie sich senkrecht ins Wasser stellen zum Beispiel, ist das ein Zeichen, ihnen nicht näher zu kommen. Wenn Nika zu mir schwamm, hat ihre Mutter uns oft mit ein wenig Distanz zugeschaut, so als dachte sie: Okay, ich lasse dich spielen. Aber wenn etwas Schlimmes passiert, bin ich zur Stelle.
Könnte sich Nika mit ihrer Neugier selbst in Gefahr bringen?
Das dachte ich zuerst auch. Ich war besorgt, denn in den Gewässern vor Teneriffa fahren sehr viele Boote und Jetskis. Aber Nika ist offenbar nur an mir interessiert. Sie erkennt mich, auch wenn ich nicht genau weiß, wie sie das macht.
"Es fühlt sich wirklich wie eine Freundschaft an."
Was meinen Sie, was will Nika Ihnen mit ihrem Vertrauen mitteilen?
Das ist schwer zu sagen. Sie wirkt immer sehr glücklich, wenn wir uns sehen. Es fühlt sich wirklich wie eine Freundschaft an. Für mich zeigt das: Wale und Menschen sind gar nicht so grundverschieden, wie wir oft denken. Und es spornt mich an, mich noch stärker für ihren Schutz einzusetzen.
Auf Teneriffa leben rund 800.000 Menschen. Aber sechs Mal so viele Touristen, fast fünf Millionen, besuchen die Insel pro Jahr. Sind Grindwale wie Nika hier in Gefahr?
Ja, ihr Lebensraum ist bedroht, weil der Massentourismus ausufert. Giftige Abwässer werden ins Meer geleitet, es gibt sehr viele Boote. Und manche Whale-Watching-Unternehmen halten sich nicht an die Abstandsregeln, die für die Touren festgelegt sind. Für gute Fotos fahren die Leute dann viel zu nah an die Wale heran. Das führt bei den Tieren zu großem Stress.
© MINSK KinemaProducciones FelipeRavina / IOFT
Wie könnten die Wale besser geschützt werden?
Wir sollten die Zahl der Touristen begrenzen, die an einem Tag zu den Walen aufs Meer hinausfahren dürfen. Sonst wandern die Tiere irgendwann ab. Die "Teno-Rasca-Zone" ist das einzige Walschutzgebiet Europas, hier lebt die größte Grindwal-Population der Welt.
Es sind rund 400 Tiere, die in der Tiefe sehr viel zu fressen finden. Das einzige, was sie brauchen, ist Frieden. Am besten schützen wir Nika und seine Familie also, wenn wir sie draußen im Meer in Ruhe lassen.