Ökobilanz: Darum ist der Valentinstag alles andere als rosig
Das Fest der Liebe ist ein Desaster für den Planeten: Zum Valentinstag importiert Deutschland unzählige Rosen aus Afrika. Dabei gäbe es viele andere blumige Liebesbeweise.

Das Fest der Liebe ist ein Desaster für den Planeten: Zum Valentinstag importiert Deutschland unzählige Rosen aus Afrika. Dabei gäbe es viele andere blumige Liebesbeweise.
Rosen sind rot, Veilchen sind blau und die Klimabilanz am Valentinstag ist ganz schön mau. An keinem Tag im Jahr werden wohl so viele Blumen verkauft wie am 14. Februar. Eigentlich unbedenklich, müsste man meinen. Was gibt es schließlich Nachhaltigeres als Grünzeug?
Doch ein Sprichwort besagt: keine Rosen ohne Dornen. Das gilt auch für den Valentinstag. Die blumigen Liebesbeweise sind zwar schön anzusehen, das täuscht aber darüber hinweg, wie sehr sie dem Planeten schaden.
Lieber Rosen aus Kenia oder aus Europa?
Rosen seien die mit Abstand am meisten nachgefragten Schnittblumen in der Bundesrepublik, heißt es vom Floristen-Verband FDF. Aber wenn die Pflanzen zum Valentinstag Konjunktur haben, haben sie hierzulande keine Saison.
Deutschland muss seine große Rosennachfrage deshalb mit Importen stillen. Pro Jahr handelt sich um ungefähr 1,2 Milliarden Stück, die unter anderem von Plantagen in Afrika, dort vor allem in Kenia, oder aus Südamerika eingeflogen werden – also aus Regionen, in denen Wasser ohnehin Mangelware ist und Arbeiter häufig ausgebeutet werden. Das verträgt sich nicht mit den UN-Nachhaltigkeitszielen.STERN PAID Ökobilanz: Saftige Überraschung 8.40
Auch die Niederlande zählen zu den Top-Exporteuren im internationalen Blumenmarkt. Trotz ihres Transportes per Flugzeug haben die Rosen aus Kenia aber eine bessere Klimabilanz als die regional gezüchteten aus europäischen Gewächshäusern, wie mehrere Studien aus Deutschland und England zeigen. Fairtrade-Sträuße aus Ostafrika verursachten rund zwei Drittel weniger CO2-Emissionen als die niederländischen Produkte, heißt es in einer Studie der Organisation Fairtrade. Auf einen Strauß aus den Niederlanden kommen demnach 27 Kilo CO2-Äquivalente, ein Strauß aus Kenia verursache dagegen nur 9,3 Kilo. Die klimafreundlichste Bilanz haben Rosensträuße, die per Schiff transportiert werden: Sie verursachen nur 1,2 Kilogramm CO2-Äquivalente.
Grund sind die Herstellungsbedingungen: In Afrika können die Blumen ganzjährig auf offenen Plantagen in der Sonne wachsen. In Europa müssen sie dagegen die meiste Zeit des Jahres in aufwendig beheizten und beleuchteten Gewächshäusern gezüchtet werden. Das kostet deutlich mehr Energie.
Rosen können zum Gesundheitsrisiko werden
Ein weiteres Manko am blumigen Valentinsvergnügen sind die gesundheitlichen Risiken. Damit die Rosen ungestört gedeihen, werden die Böden mit Unkrautvernichtern besprengt. "Nach der Ernte werden die Blumen dann mit Fungiziden behandelt, damit sie auf dem Weg nach Deutschland nicht schimmeln", erklärt Österreichs erste Bioblumen-Unternehmerin Margrit De Colle.
Tests des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) konnten nachweisen, dass rund zwei Drittel aller Zierpflanzen Rückstände von gesundheitsgefährdenden Pestiziden enthalten. Über die Hälfte der Proben sei zudem mit bienengefährlichen Pestiziden belastet gewesen. Wer beruflich viel mit den Pflanzen arbeitet, hat Studien zufolge ein höheres Risiko für Krankheiten wie Parkinson. Die mit Bewegungsstörungen verbundene neurodegenerative Erkrankung ist daher in Deutschland als Berufskrankheit anerkannt – bei Floristen ebenso wie bei Landwirten, Gärtnern und Winzern. Auch Blumenliebhaber und Stammkunden im Blumenladen können betroffen sein.
Theoretisch ließe sich das Gesundheitsrisiko minimieren. Praktisch fehlen aber die gesetzlichen Regelungen. Anders als bei Lebensmitteln oder Gewässern gibt es für Blumen weder in Deutschland noch in Europa eine Richtlinie mit Grenzwerten für Rückstandsmengen der Pestizide auf Schnittblumen.
Welche Alternativen gibt es für die blumigen Valentinstag-Geschenke?
Am Valentinstag auf Blumen verzichten muss dennoch niemand. "Man kann schon Blumen verschenken, aber sollte sich mit der Herstellung und dem Transport beschäftigen", sagt De Colle. Bio- und Fairtrade-Siegel im Blumenladen lieferten Blumenfreunden und Verbrauchern Hinweise darauf, unter welchen Bedingungen die Pflanzen hergestellt und transportiert wurden.
Auch auf lokale Blumen können Konsumenten zurückgreifen, allerdings immer mit dem Hintergedanken: je saisonaler, desto besser für die Umwelt. Das sagt auch De Colle: "Es müssen nicht immer rote Rosen sein", mahnt die Bioblumen-Unternehmerin. Im Dezember stellten sich viele Menschen Barbarazweige in die Wohnung, die an Weihnachten blühen. Zum Valentinstag böten sich Kirsch-, Quitten- oder Forsythienzweige an.
Frühblüher-Topfblumen wie Primeln, Narzissen, Hyazinthen, Immergrüne Felsenblümchen, Wild-Krokusse oder Schneeglöckchen eignen sich ebenfalls als klimafreundlichere Alternativen. Und hübsch verpackt können auch getrocknete Blumensträuße oder Samenmischungen ein romantisches Valentinstagsgeschenk sein.
Zur Geburt von Kindern pflanzen Eltern häufig Sträucher oder Stauden. Warum diesen Brauch als Zeichen der wachsenden Liebe nicht auch am Valentinstag kultivieren? Darüber freuen sich dann auch heimische Ökosysteme im eigenen Garten oder auf dem Balkon.