Investor springt ab: Bei Thyssenkrupp stirbt die nächste Hoffnung

Das Stahlwerk HKM steht zum Verkauf, weil Thyssenkrupp es nicht mehr gebrauchen kann. Doch jetzt springt der obskure Investor ab

Feb 21, 2025 - 18:13
 0
Investor springt ab: Bei Thyssenkrupp stirbt die nächste Hoffnung

Das Stahlwerk HKM steht zum Verkauf, weil Thyssenkrupp es nicht mehr gebrauchen kann. Doch jetzt springt der obskure Investor ab

Wieder einmal passiert bei Thyssenkrupp, was in den letzten Jahren schon so oft passierte: Erst meldet man hoffnungsfroh einen Investor für den Stahlbereich, schürt hinter vorgehaltener Hand große Hoffnungen, dann springt der Interessent ab. Und im Nachhinein müssen alle zugeben, dass alles von Anfang an auf Sand gebaut war.

Im aktuellen Fall geht es um die Tochter HKM in Duisburg, die zur Hälfte dem Konzern gehört. Thyssenkrupp möchte sie eilig verkaufen oder schließen. Im Juni meldete ein schwachbrüstiger Investor mit dem Namen CE Capital Partners aus Hamburg Interesse an. 

37-jähriger Investor wollte HKM kaufen

An seiner Seriosität musste man von Anfang an zweifeln: Die Kapitalverwaltungsgesellschaft des erst 37-jährigen Nicolas Neumann aus dem niedersächsischen Buchholz, erst 2020 mit einem eilig gekauften Firmenmantel gegründet, offiziell als Untermieter in der Etage eines Office-Space-Anbieters über einem Gemischtwarenladen gemeldet und mit einem Grundkapital von 25.000 Euro ausgestattet, ließ von Anfang an jede Transparenz vermissen. Die GmbH erfüllt nicht einmal ihre Veröffentlichungspflicht im Bundesanzeiger.

CE Capital Partners wollte so gut wie kein Eigenkapital in den Deal einbringen, HKM zum Nulltarif übernehmen und dazu auch noch eine Mitgift des Mutterkonzerns kassieren. Jetzt verbreitet die IG Metall, alles sei am Geld gescheitert. Nicht einmal 200 Mio. Euro wollte der Investor in die Hand nehmen. Zum Vergleich: Etwa die gleiche Summe muss HKM jedes Jahr für den Erhalt der veralteten Anlagen und Hochöfen im Duisburger Süden ausgeben.

Thyssenkrupp Aktie steigt

Nun muss sich Thyssenkrupp mit den beiden anderen Eigentümern Vallourec und Salzgitter AG wohl auf einen Verkauf einigen, obwohl offiziell immer noch von der Suche nach anderen Investoren die Rede ist. Für Thyssenkrupp ist das aller Wahrscheinlichkeit nach die bessere Lösung. Deshalb reagierte die Aktie des Konzerns am Freitag auch eher positiv auf die Nachricht, dass der Einstieg von CE Capital Partners geplatzt ist.

Ganz anders fiele die Reaktion der Börse aus, wenn sich auch die wichtigste Hoffnung des Konzerns in Luft auflösen würde: die große Partnerschaft mit Daniel Kretinsky, dem tschechischen Milliardär und Eigentümer großer Energiekonzerne. Der Großinvestor hält 20 Prozent an der Stahltochter von Thyssenkrupp, die er jedoch jederzeit ohne Verlust zurückgeben könnte. Die Deutschen hoffen darauf, dass der Tscheche seine Beteiligung auf 50 Prozent aufstockt – und damit die Bilanz von Thyssenkrupp von der ungeliebten Tochter befreit. Auffällig ist: Konzernchef Miguel López redet immer mal wieder über hoffnungsfrohe Verhandlungen, Kretinsky aber schweigt.

Nun kann man den tschechischen Investor getrost als sehr viel seriöser und vor allem kapitalstärker als CE Capital Partners einordnen. Aber im Grundsatz verfolgt Kretinsky ein ähnliches Geschäftsmodell: So wenig Kapital bei Übernahmen auf den Tisch legen wie möglich, den Kaufpreis auf Null drücken und gleichzeitig auch noch eine Mitgift des Verkäufers und staatliche Beihilfen fordern. Man kann nur hoffen, dass die Hoffnungen bei Thyssenkrupp am Ende nicht auch von ihm enttäuscht werden.