Warum Klimaschutz für die Wirtschaft wichtig ist
Wie wirken sich Klimaschutz, Extremwetterereignisse und Anpassungsmaßnahmen an Extremwetter auf die Wachstumsperspektiven in Deutschland aus? Der Beitrag Warum Klimaschutz für die Wirtschaft wichtig ist erschien zuerst auf Elektroauto-News.net.

Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich nicht nur global, sondern auch in Deutschland in den vergangenen Jahren immer deutlicher. So werden zum Beispiel Wetterextreme häufiger und heftiger. Starkregen und Hochwasser, Stürme, Dürre und Hitze richten häufig große Schäden an Häusern, Infrastruktur sowie (land-)wirtschaftlichen Produktionsgütern an. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland haben.
Durch den voranschreitenden Klimawandel werden deshalb Maßnahmen zur Anpassung an derartige Extremwetterereignisse immer wichtiger. So können etwa ein höherer Deich oder eine Klimaanlage die Auswirkungen des nächsten Hochwassers und der nächsten Hitzewelle in Teilen beherrschbarer machen.
Gleichzeitig schreitet der Klimaschutz in Deutschland durch die Transformation der einzelnen Energie- und Wirtschaftssektoren und die damit verbundenen Investitionen und Wertschöpfung immer weiter voran. Fortschritte zeigen sich etwa beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. Laut Umweltbundesamt stammten 2024 bereits rund 56 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen.
Klimaschutz, Klimawandelfolgen und Klimawandelanpassung haben somit unmittelbare Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Die Berücksichtigung dieser Phänomene bei der empirischen Modellierung von wirtschaftlichen Zusammenhängen stellt angesichts ihrer Komplexität und der dafür erforderlichen Daten bzw. Informationen eine Herausorderung dar. GWS/Prognos haben nun im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das Zusammenwirken von Klimaschutz, Extremwetterereignissen, der Anpassung an Extremwetter sowie deren jeweilige gesamtwirtschaftliche Auswirkungen für Deutschland untersucht. Die Ergebnisse des Gutachtens liegen mittlerweile vor.
Für die Bundesregierung sind Erkenntnisse dazu nicht zuletzt auch im Rahmen ihrer regelmäßigen gesamtwirtschaftlichen Vorausschätzungen relevant, um die Auswirkungen der Gesamtheit von Klimaschutzmaßnahmen und klimabedingter Umweltveränderungen besser zu verstehen und berücksichtigen zu können. Daher haben GWS/Prognos – aufbauend zum Beispiel auf Analysen der Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose und des Sachverständigenrats Wirtschaft – im hier vorgestellten Forschungsgutachten die Auswirkungen von Klimaschutz, Extremwetterereignissen und der Anpassung daran auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung insgesamt in den Blick genommen. Dazu wurde ein nachfrageorientiertes makroökonometrisches Input-Output-Modell inklusive einer umfassenden Energiesystemmodellierung zugrunde gelegt.
Das Gutachten hat insbesondere die Auswirkungen von Klimaschutzinvestitionen und CO2-Preisen sowie von Extremwetterereignissen und Anpassungsmaßnahmen untersucht. In insgesamt acht Szenarien wurden die einzelnen Komponenten zunächst getrennt und dann zusammen betrachtet sowie eine Reihe von Alternativszenarien durchgespielt. Dazu wurden erstmals Zeitreihen für gesamtstaatliche Anpassungsmaßnahmen in einem wissenschaftlichen Forschungskontext erhoben. Der Fokus des Gutachtens liegt auf den Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsperspektiven in Deutschland für den Zeitraum bis zum Jahr 2045.
Im Referenzszenario werden kontrafaktisch die Politikstände aus dem Jahr 2020 sowohl für Klimaschutzinvestitionen und CO2-Preise als auch für die Anpassungsinvestitionen unterstellt. Zudem wird unterstellt, dass die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Extremwetterereignissen in der Zukunft konstant auf dem Stand von 2024 verbleibt. Im Klimaschutzszenario steigen die Klimaschutzinvestitionen in den kommenden Jahren stärker an als im Referenzszenario. Die Anpassungsinvestitionen nehmen über die Zeit nicht zu, liegen aber in den Alternativszenarien höher als im Referenzszenario und in Szenario 7 noch einmal deutlich höher. Die Ergebnisse werden im Folgenden zusammenfassend dargestellt.
Klimaschutz wirkt sich langfristig positiv auf die Wirtschaft aus
Klimaschutz erfordert erhebliche gesamtwirtschaftliche Investitionen. Bereits im Referenzszenario, also beim Politikstand der Klimaschutzpolitik im Jahr 2020, liegen diese in den Jahren von 2026 bis 2035 bei mehr als 80 Milliarden Euro pro Jahr. Im Szenario mit zusätzlichem Klimaschutz, in dem die Emissionsziele des Klimaschutzgesetzes erreicht werden, werden laut dem zugrunde liegenden Energiesystemmodell bis zum Jahr 2035 weitere rund 70 Milliarden Euro pro Jahr investiert. Langfristig sinkt der jährliche Investitionsbedarf sukzessive, da die Transformation dann zunehmend fortgeschritten und umgesetzt ist.
Im Klimaschutzszenario ergeben sich Einsparungen bei den Ausgaben für Energie, da der Energieverbrauch durch höhere Energieeffizienz sinkt und Ausgaben für Erdgas, fossile Treibstoffe und Heizöl zurückgehen. Insgesamt verringern sich die Ausgaben für Energie in den Jahren 2025 bis 2040 im Vergleich zur Referenz um 15 bis 20 Milliarden Euro jährlich; nach 2040 nimmt die Differenz ab, bis im Jahr 2045 aufgrund des hohen Einsatzes synthetischer Energieträger die Energieausgaben in beiden Szenarien in etwa gleich hoch sind.
Klimaschutz wirkt im Gutachten von GWS/Prognos über zwei Kanäle auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Zum einen sind aufgrund der Dekarbonisierung zusätzliche Investitionen in Ausrüstungen und Bauten notwendig. Diese erhöhen kurzfristig die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und wirken positiv auf den Kapitalstock; sie führen zugleich zu dauerhaften Gewinnen bei der Energieeffizienz. Diesen positiven Einflussfaktoren auf die wirtschaftliche Entwicklung steht zum anderen ein gegenläufiger Effekt auf die Wirtschaftsleistung durch den Einfluss des CO2-Preises und der aufgrund des höheren Kapitalstocks gestiegenen Abschreibungen entgegen. Dabei wird im Modell keine explizite Budgetrestriktion des Staates modelliert, das heißt, auch Effekte aus der Verwendung der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung werden nicht erfasst.
Im Modell von GWS/Prognos überwiegt der positive Effekt der Investitionen. Insgesamt resultiert im Klimaschutzszenario (ohne Verdrängung) ein positiver Effekt auf das BIP, der im Jahr 2030 bei 2,3 Prozent und 2045 bei 0,8 Prozent gegenüber dem Referenzszenario liegt. Der kurzfristige Effekt des zusätzlichen Klimaschutzes auf das BIP (über das Referenzszenario hinaus) ist demnach merklich und liegt zwischen 2020 und 2030 bei gut 0,2 Prozent pro Jahr. Diese Größenordnung entspricht der Einschätzung einer soeben erschienenen Studie der Deutschen Bundesbank, die Effekte des wachsenden Kapitalstocks auf das Produktionspotenzial auf der Basis von Unternehmensbefragungen für die Jahre 2027 bis 2029 ausweist.
Auch in einem Szenario, bei dem die Klimaschutzinvestitionen nicht einfach zusätzlich zu anderen Investitionen getätigt werden, sondern Letztere verdrängen (crowding out), verbleibt ein positiver Effekt auf das Wachstum: dieser liegt 2030 bei 0,4 Prozent und 2045 bei 0,9 Prozent gegenüber dem Referenzszenario. Klimaschutzinvestitionen können sich positiv auf die gesamtwirtschaftliche Tätigkeit auswirken, weil selbst bei Verdrängungseffekten die steigende Energieeffizienz den technischen Fortschritt (gemessen als Totale Faktorproduktivität, TFP) erhöht. Dabei liegt die Annahme zugrunde, dass Klimaschutzinvestitionen ansonsten genauso produktiv sind wie sonstige Investitionen. Entscheidend für die Stärke des durch Klimaschutzinvestitionen ausgelösten Wachstumsimpulses ist die Stärke möglicher Verdrängungseffekte.
Im vorliegenden Gutachten könne die Frage, unter welchen Bedingungen die Klimaschutzinvestitionen tatsächlich zusätzlich stattfinden können, nicht beantwortet werden. Vielmehr wird die Relevanz für deren Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in den Szenarien herausgearbeitet und dargestellt. Zudem wird mit der Annahme einer international gleichgerichteten Klimapolitik die Problematik ausgeklammert, dass Unternehmen als Reaktion auf unterschiedlich ambitionierte Klimaschutzpolitiken ihre (CO2-intensiven) Standorte ins Ausland verlagern könnten (Carbon Leakage).
Kosten von Extremwetterereignissen steigen an
Den Studienergebnissen zufolge steigen die Kosten von zusätzlichen Extremwetterereignissen über die Zeit an. Ein erheblicher Teil der Kosten von Extremwetterereignissen entsteht dadurch, dass auch im Ausland auftretende Ereignisse indirekt negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben. Die kumulierten Gesamtkosten liegen in einer ähnlichen Größenordnung wie in der oben erwähnten früheren Studie im Auftrag des BMWK, die kumulierte Kosten in Höhe von 280 bis 900 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050 ermittelt hatte.
Die Kosten von zusätzlichen Extremwettereignissen stellen nur einen Teil der insgesamt anfallenden Klimawandelkosten dar. Die Ermittlung der Gesamtkosten des Klimawandels ist der High-Level Expert Group on Climate Finance zufolge schwierig, da keine universell anerkannte Definition existiert, weil Daten fehlen und weil die Prognose zukünftiger Wetterereignisse schwierig ist. Der Bericht legt aber nahe, dass die insgesamt anfallenden Klimawandelkosten deutlich höher ausfallen könnten als die Kosten von Extremwetterereignissen. Zugleich drohen Nichtlinearitäten und Kipppunkte, nach deren Überschreiten sich die Effekte des Klimawandels stark beschleunigen könnten.
Anpassungsmaßnahmen können die Auswirkungen von Extremwettereignissen mildern. Allerdings ist die Datengrundlage über vergangene Anpassungsmaßnahmen trotz der erzielten Fortschritte im Rahmen des Forschungsvorhabens weiterhin verbesserungswürdig, was die Abschätzung zukünftiger Investitionsvolumina (und der hierdurch vermeidbaren Kosten) erschwert.
Klimaschutzpolitik muss effizient umgesetzt werden
Entscheidend für die Studienergebnisse ist, dass Klimaschutzpolitik effizient umgesetzt wird und es möglichst keine Verdrängung anderer Investitionen gibt. So ist im Modell unterstellt, dass klimafreundliche Investitionen dann erfolgen, wenn Geräte oder Anlagen ohnehin ersetzt werden müssten. Dadurch und durch die höhere Energieeffizienz liegen auch die Strompreise nur wenig höher als in der Referenz. Im Sinne einer möglichst effizienten Emissionsreduktion gewinnt die Bepreisung von CO2 als zentrales Element inmitten eines effizienten Instrumentenmix aus Bepreisung, ordnungsrechtlichen Maßnahmen und Förderprogrammen, flankiert durch Beratungs- und Unterstützungsangebote, zunehmend an Bedeutung. Um die notwendigen Investitionen zu mobilisieren, sei es zudem erforderlich, Planungssicherheit für die Wirtschaft und die privaten Haushalte herzustellen. Hierfür seien verlässliche Rahmenbedingungen und eine konstante Wirtschafts- und Klimapolitik über Legislaturperioden hinweg eine Voraussetzung.
Der Zusammenhang zwischen gesamtwirtschaftlichen Wachstumsperspektiven und Klimaschutz, Extremwetterereignissen und Anpassung sei komplex und von hoher Unsicherheit geprägt. Die Szenarien von GWS und Prognos zeichnen diesbezüglich ein differenziertes Bild. Sowohl die Auswirkungen des Klimaschutzes, aber auch der zunehmenden Extremwetterereignisse und der Anpassung daran haben quantitativ substantielle Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Dabei werde durch Extremwetterereignisse nicht nur der Erwartungswert der zukünftigen Wirtschaftsleistung geschmälert, sondern auch die Varianz und damit die Unsicherheit bezüglich der zukünftigen Wirtschaftsleistung erhöht. Die Unterschiede zwischen den untersuchten Szenarien stammen kurz- und mittelfristig von der Kapital- und Technologiekomponente. Veränderungen der Technologiekomponente gelte es vor dem Hintergrund der Ergebnisse des Gutachtens daher weiterhin genau zu beobachten.
Das BMWK erwartet auf der Grundlage der Ergebnisse dieses Gutachtens und weiterer Untersuchungen, dass zusätzliche Investitionen und ein schneller Ausbau erneuerbarer Energien entscheidend für eine positive wirtschaftliche Entwicklung sein werden. Klare und verlässliche Signale der Politik im Hinblick auf den Fortgang der Dekarbonisierung seien dabei von zentraler Bedeutung.
Quelle: BMWK – Pressemitteilung vom 25.03.2025
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