Grüne Revolution: Das Start-up Ecopals nutzt Plastikabfälle für den Straßenbau
Klimaneutralität zu erreichen ist eine Mammutaufgabe. Capital berichtet über Innovationen auf dem Weg dorthin. Diesmal: ein Start-up, das Asphalt mit Plastikmüll anreichert

Klimaneutralität zu erreichen ist eine Mammutaufgabe. Capital berichtet über Innovationen auf dem Weg dorthin. Diesmal: ein Start-up, das Asphalt mit Plastikmüll anreichert
Herausforderung
Rund ein Drittel der Straßen in Deutschland wird mit Asphalt gebaut, der ein mit Rohöl versetztes Bindemittel (Bitumen) enthält. Es erhöht die Widerstandsfähigkeit und Langlebigkeit der Straßen. Über die gesamte Lieferkette verursacht Asphalt mit Bitumen allerdings rund 20 Prozent mehr CO₂-Emissionen. Pro Tonne Asphalt entspricht das etwa der Menge, die ein Pkw bei einer Umrundung des 200 Kilometer langen Berliner Autobahnrings ausstößt.
Innovation
Ecoflakes sind ein Zusatzstoff für Asphalt. Er wird aus recycelten Plastikabfällen hergestellt. Das Material ist widerstandsfähig gegen Spurrinnen und Risse im Asphalt – dadurch sinkt der Sanierungsbedarf einer Straße. Unterm Strich können so CO₂-Emissionen reduziert werden. Auf eine Tonne gerechnet, können Ecoflakes in manchen Projekten bis zu vier Euro günstiger sein als nicht modifizierter Asphalt.
In der Praxis
Inklusive Fördermitteln sind bislang 6 Mio. Euro in das Startup aus Berlin geflossen. Über 30 Pilotprojekte gab es bereits, zuletzt wurden die Ecoflakes auf Teilstücken der A7 und A480 verbaut. Problem: Die Zulassung für den Einsatz der Ecoflakes im öffentlichen Raum war schwierig.
© Carmen Reina
„Die Regularien sind ein Hindernis“
Jonas Varga, Gründer Ecopals
Herr Varga, wie ist die Idee entstanden?
2019 in Nepal bei einem Projekt der NGO Nidisi, die vor Ort nach Lösungen für Plastikmüll und mangelnde Infrastruktur gesucht hat. Schnell zeigte sich: Die Verknüpfung von Plastikrecycling und Straßenbau hat globales Potenzial. Mit Ecopals sind wir nun seit 2021 in fünf Ländern aktiv.
An wen werden die Ecoflakes verkauft – und rechnet sich das schon?
An Asphaltmischwerke und Straßenbaufirmen. Auch die öffentliche Hand ist im Straßenbau ein wichtiger Stakeholder, aber kein direkter Kunde. Durch die Expansion wächst der Umsatz stetig – profitabel sind wir aber noch nicht.
Was sind die größten Hindernisse beim Vertrieb?
Die deutschen Regularien. Die Zulassung des Materials hat viel Know-how und zahlreiche Anläufe erfordert. Noch heute müssen wir viel Aufklärungsarbeit bei Bauämtern leisten.