Vom Jazz zum Funk
Die Meisen auf dem Spielplatz steigern sich am Freitagmorgen auf einmal vom dezenten Jazz zu deutlich wilderem Funk. Und wie in jedem Jahr zu etwa dieser Zeit habe ich diesen Moment des kurzen Innehaltens, in dem ich staunend in der offenen Balkontür stehe und mich frage, wie so kleine Vögel eigentlich dermaßen laut sein können.... Der Beitrag Vom Jazz zum Funk erschien zuerst auf Buddenbohm & Söhne.

Die Meisen auf dem Spielplatz steigern sich am Freitagmorgen auf einmal vom dezenten Jazz zu deutlich wilderem Funk. Und wie in jedem Jahr zu etwa dieser Zeit habe ich diesen Moment des kurzen Innehaltens, in dem ich staunend in der offenen Balkontür stehe und mich frage, wie so kleine Vögel eigentlich dermaßen laut sein können. Ich frage mich dieses trotz mehrjähriger Erfahrung und Kenntnis so, als ob ich es mich zum ersten Mal im Leben fragen würde. Als sei es ein irgendwie origineller Gedanke – und genau das macht den Frühling wohl aus.
Das Draußen lockt an diesem Tag jedenfalls. Ich gehe daher mit dem dritten Kaffee in der Hand einen Schritt auf den Balkon. Dabei kollidiere ich allerdings mit einer Hummel auf Patrouille, bzw. sie mit meiner Stirn. Der Frühling klopft vor dem Eintreffen der arktischen Kaltluftwelle in einigen Stunden noch einmal an. Nein, er rempelt eher unsanft herum. Im aufbrausenden Wegbrummen der Hummel nach dem Zusammenstoß meine ich eine deutliche Verärgerung zu hören, was steht dieser Typ da auch im Weg. Hat der kein Menschennest oder was, in welches er doch zweifelsfrei gehört.
So habe ich schon vor dem Frühstück und nur beim bloßen Herumexistieren schon alles falsch gemacht und bin daher erstaunlich gut eingestimmt auf die folgenden Bürostunden.
Es ist vom Datum her der Tag der Fehlermeldung, und so kommt es dann auch. Ich versuche Dinge, die Dinge machen aber nicht mit. Schließlich befrage ich menschliche und künstliche Intelligenzen sowie auch das gute alte Internet zu meinen Vorhaben. Ich bekomme unwissende, falsche und außerdem einige irreführende Antworten. Da sind sich Mensch, Maschine und allwissende Müllhalde einmal wunderbar einig. Immer auch das Positive sehen, und sei es nur im Restpostenbereich des Alltags. Aber unterm Strich geht nichts.
Zwischendurch bemerke ich, während ich grübelnd auf den Bildschirm starre, dass sich in einem Programm ein Button in einer Menüleiste verändert, während ich ihn ansehe, ansonsten aber nichts mache. Keinen Finger habe ich auf der Tastatur, keine Hand an der Maus. Aber da passiert etwas, und es ist einigermaßen unerklärlich. Es ist außerdem auch etwas beunruhigend, denke ich, während sich der Button vor meinen Augen erneut verändert. Denn so fängt es doch an, sagt der noch aktive Restverstand in meinem Hirn. Genau auf diese Art fängt es an, und zum Rest des Schicksals siehe dann bei Kafka, Lynch, etc. Man kennt das.
Ich möchte eigentlich nur eben etwas machen, was ich für einfach halte. Neu ist es, aber doch einfach. Mein eher bescheidenes Vorhaben wird aber auf unsinnige Weise immer komplizierter und die Stunden vergehen. Am Ende hänge ich in Foren herum, in denen sich untote Excel-Freaks gegenseitig die Welt und die Zahlen erklären. Aber auch das nicht unbedingt erfolgreich, wie ich nach unerfreulich langer Lektüre weiß. „Es gibt Tage, da tuste bei“, wie es damals bei Herrn Korten hieß, es ist ein Satz, der geblieben ist.
Aber egal. Am Wochenende wieder alles resetten. Das Hirn und auch die Computer, die Problemlage ebenfalls, die Fragestellung und die möglichen Lösungen.
Und die Stimmung sowieso.
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