Zölle: 29 Prozent Zoll für die Norfolkinsel – „Wir exportieren doch nichts“

Knapp 2200 Menschen leben auf der Norfolkinsel im Pazifischen Ozean. Trumps Zollhammer bekommt die Insel, die zu Australien gehört, trotzdem zu spüren. Aber warum?

Apr 4, 2025 - 07:36
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Zölle: 29 Prozent Zoll für die Norfolkinsel – „Wir exportieren doch nichts“

Knapp 2200 Menschen leben auf der Norfolkinsel im Pazifischen Ozean. Trumps Zollhammer bekommt die Insel, die zu Australien gehört, trotzdem zu spüren. Aber warum?

Donald Trumps Zollhammer trifft nicht nur China, die EU, Japan und andere große Wirtschaftsmächte. Auch wenig bekannte Staaten und Regionen wurden vom US-Präsidenten mit hohen Zöllen belegt. Etwa die Norfolkinsel – ein winziges Territorium, das zu Australien gehört. Künftig werden 29 Prozent Aufschlag für Exporte in die USA fällig. Die 2188 Einwohner macht das ratlos. „Norfolk Island ist ein kleiner Punkt in der Welt“, sagt Richard Cottle, Inhaber eines Betonmischwerks auf der Vulkaninsel im südlichen Pazifik, am Telefon. „Wir exportieren nichts.“ Er hat nur eine Erklärung dafür: „Es ist einfach ein Fehler“.

Die Norfolkinsel ist eines von Dutzenden winziger Gebiete, die gemeinsam mit China und der Europäischen Union auf Trumps Zollliste gelandet sind - und das, obwohl sie über keine wirkliche Fertigungs- oder Exportindustrie verfügen. Einige, wie die Heard- und McDonald-Inseln in der Antarktis, die wie die Norfolkinsel unter australischer Aufsicht stehen, sind nicht einmal bewohnt. Das macht nichts: Künftig gelten für sie zehn Prozent Zoll für Ausfuhren in die USA.

Der australische Premierminister Anthony Albanese kann sich das auch nicht erklären. „Als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, war die Norfolkinsel ein Teil Australiens“, sagt er dem Sender Australian Broadcasting Corp. Die separaten, höheren Zölle seien „etwas unerwartet und ein wenig seltsam.“

Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Tourismus

Nach Angaben der US-Regierung haben die Vereinigten Staaten in den vergangenen drei Jahren ein Handelsdefizit mit der Norfolkinsel verzeichnet. Die Insel exportierte im Jahr 2022 Waren im Wert von 300.000 Dollar in die USA, 2023 im Wert von 700.000 Dollar und 2024 im Wert von 200.000 Dollar. Die Importe aus den USA blieben jeweils unter der Marke von 100.000 Dollar. Aus den Daten ging nicht hervor, welche Waren gehandelt wurden.

Andere Geschäftsinhaber der Norfolkinsel, die mit Reuters sprachen, konnten sich an keine verarbeitende Industrie auf der Insel erinnern. Ihr wichtigster Wirtschaftszweig sei mit großem Abstand der Tourismus, machten sie klar. Ein Inhaber eines Schädlingsbekämpfungsunternehmens sagte, dass er nicht in die USA verkaufe – dafür aber einige Nagetierköder aus den USA über Australien importiere.

„Auf Produkte von der Norfolkinsel wird ein Zoll von 29 Prozent erhoben?“, fragt Gye Duncan ungläubig, der eine Steuerberatungsfirma auf der Insel besitzt. „Nun, es gibt keine Produkte, also wird es keine Auswirkungen haben.“ Miles Howe, ein pensionierter australischer Beamter und ehemaliger Präsident der Handelskammer von Norfolk Island, ist ebenfalls nicht beunruhigt: „Ich glaube, jeder ist eher amüsiert über die Vorstellung, dass wir überhaupt auf dem Radar von jemandem wie Donald Trump gelandet sind“.