Raketenstart: Deutsches Raketen-Start-up aus München: Wer ist Isar Aerospace?

Der SpaceX-Konkurrent Isar Aerospace will nach nur sieben Jahren Entwicklungszeit seine erste „Spectrum“-Rakete in den Orbit schießen. Was über die Raketenfirma bekannt ist

Mär 24, 2025 - 14:11
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Raketenstart: Deutsches Raketen-Start-up aus München: Wer ist Isar Aerospace?

Der SpaceX-Konkurrent Isar Aerospace will nach nur sieben Jahren Entwicklungszeit seine erste „Spectrum“-Rakete in den Orbit schießen. Was über die Raketenfirma bekannt ist

Das bayrische Start-up Isar Aerospace will am Montag seine Trägerrakete Spectrum in den Orbit schießen. Falls der Testflug gelingt, käme er einer doppelten Premiere gleich: Es wäre der Jungfernflug für die gut sieben Jahre junge Raketenfirma – und der erste Start einer Trägerrakete vom europäischen Kontinent.

Gut sieben Minuten würde der Flug vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya bis in den niedrigen Erdorbit dauern, zumindest in der Theorie. Tatsächlich rechnet die Firma jedoch mit einem deutlich kürzeren Jungfernflug der „Spectrum“. „Die Rakete darf explodieren, das ist im Rahmen des Testflugs sogar wahrscheinlich“, teilte eine Sprecherin im Vorhinein mit. Schon 30 Sekunden Flugzeit seien ein Erfolg, um Daten für die weitere Entwicklung zu sammeln.

Doch wie realistisch sind die Ziele des deutschen Raumfahrt-Start-ups? Und was ist über Isar Aerospace und seine Spectrum-Rakete bisher bekannt? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Isar Aerospace:

Wer steckt hinter Isar Aerospace?

Isar Aerospace wurde 2018 von den Studienfreunden Daniel Metzler, Josef Fleischmann und Markus Brandl gegründet. Die drei angehenden Luft- und Raumfahrtingenieure trafen sich damals regelmäßig in den Räumen der Raketen-AG der Technischen Universität München, um an neuen Antriebstechnologien zu tüfteln. 

Ihre Motivation: die Entwicklung einer Alternative zu den Trägerraketen des US-Unternehmens SpaceX, die die europäische Unabhängigkeit stärken soll. „Wir wollen den Zugang zum Weltall demokratisieren“, sagte Mitgründer und CEO Metzler 2022 in einem Interview mit Capital.

Wie groß ist das Start-up?

Aus dem einstigen Studentenprojekt ist inzwischen ein Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern und 400 Mio. Dollar Investorengeld gewachsen. Die Zentrale des Raketen-Start-ups befindet sich im bayrischen „Space Valley“, einem Technologiepark in Ottobrunn bei München, in dem sich zahlreiche Space-Unternehmen tummeln, da runter auch Größen wie Airbus.

Was kann die Spectrum-Rakete?

Isar Aerospace entwickelt sogenannte Mikrolauncher: kleine, kostengünstige Raketen, die speziell auf den Transport von Kleinsatelliten in die Erdumlaufbahn zugeschnitten sind. Das erste Modell, die Spectrum, ist 28 Meter lang, zwei Meter breit und soll bis zu 1000 Kilogramm Nutzlast tragen.

Langfristig soll die Spectrum bis zu 40 Flüge pro Jahr absolvieren. Dafür hat sich Isar Aerospace den norwegischen Weltraumbahnhof Andøya nördlich der Lofoten für 20 Jahre gesichert. Von hier aus soll die Spectrum in Zukunft mit 28.000 Kilometern pro Stunde in den niedrigen Erdorbit starten, knappe sieben Minuten soll die Reise dauern.

Wer oder was fliegt mit der Spectrum-Rakete?

Isar Aerospace ist im Kern ein Transportunternehmen für Satelliten. „Wir sind eigentlich nichts anderes als ein Taxiunternehmen ins Weltall“, sagte CEO Metzler im Gespräch mit Capital. Solche Taxidienste in den Orbit nennt man in der Branche Ridesharing-Missionen. Sie sind üblich, um sich die Transportkosten zu teilen. Kleinsatelliten starten dabei in der Regel als Beiladung zu größeren Satelliten. Bloß kann es Monate dauern, bis in großen Raketen ein Platz frei ist. Die Lösung des Transportproblems lautet darum: neue, kleine Raketen – sogenannte Mikrolauncher wie die Spectrum-Rakete.

Wie realistisch sind die Ziele von Isar Aerospace?

Ursprünglich wollte Isar Aerospace schon 2021 losfliegen. Seitdem haben sich die Startpläne mehrfach verschoben – für ein so komplexes Unterfangen ist das jedoch nicht ungewöhnlich. Der erste Testflug im März 2025 wird voraussichtlich der Auftakt zu einer längeren Erprobungsphase sein, bis die Technologie reif für den kommerziellen Betrieb ist. Nach Angaben des Start-ups sollen die Auftragsbücher bis 2027 bereits voll sein. Konkrete Starttermine nennt es jedoch nicht.

Mit wem konkurriert das bayrische Start-up?

Laut der Unternehmensberatung Roland Berger wurden seit den 2000ern weltweit etwa 100 Mikrolauncher-Projekte angekündigt. Die Analysten gehen jedoch davon aus, dass sich nur eine Handvoll durchsetzen wird. Zwei ernstzunehmende Konkurrenten kommen ebenfalls aus Deutschland: Hyimpulse Technologies aus Schwaben hat bereits im Mai 2024 seine erste Trägerrakete ins All geschossen – allerdings von Australien aus.

Die Rocket Factory Augsburg, die zum Bremer Raumfahrtunternehmen OHB gehört, arbeitet ebenfalls an einem eigenen Mikrolauncher. Das Unternehmen wagte im August 2024 einen Teststart von Schottland aus – dabei explodierte die erste Stufe jedoch noch am Boden.

Größter Konkurrent bleibt jedoch SpaceX: Dessen Trägerrakete Falcon 9 ist aktuell die schnellste und wohl auch billigste Mitfluggelegenheit für Satelliten-Unternehmen und -Forschungsprojekte.

Wie groß ist der Markt für Mikrolauncher?

Laut einer Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums sollen in diesem Jahrzehnt über 15.000 Satelliten ins All starten, 90 Prozent davon sind Kleinsatelliten. Die Daten, die diese Satelliten aus dem Weltraum liefern, sind für Staaten und Unternehmen ein Schlüsselthema: Sie ermöglichen zum Beispiel die Überwachung von Pipelines und Äckern, Fernwartung von Maschinen, Datenübertragung für das autonome Fahren oder zuverlässiges Internet in entlegenen Regionen. 

Damit sie diese Daten liefern können, müssen sie jedoch erstmal die Reise ins Weltall antreten – und an dieser Stelle kommt die Technologie von Isar Aerospace ins Spiel. Experten schätzen den Markt rund um das Weltraum-Ridesharing auf mehrere Milliarden US-Dollar.