Präsident der Zentralafrikanischen Republik gibt Memecoin heraus – aber keiner will ihm glauben

Faustin-Archange Touadéra, der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, hat am 9. Februar den Memecoin $CAR herausgegeben. Doch die Krypto-Welt wittert Betrug - nicht ohne Grund.

Feb 10, 2025 - 16:26
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Präsident der Zentralafrikanischen Republik gibt Memecoin heraus – aber keiner will ihm glauben

Faustin-Archange Touadéra, der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, hat am 9. Februar den Memecoin $CAR herausgegeben. Doch die Krypto-Welt wittert Betrug – nicht ohne Grund.

Am 9. Februar hat der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, Faustin-Archange Touadéra, auf Twitter den Start von $CAR bekannt gegeben, dem ersten nationalstaatlichen Memecoin überhaupt.

$CAR sei „ein Experiment, das zeigen soll, dass etwas so Simples wie ein Meme Menschen vereinigen kann, die nationale Entwicklung stützen und die Zentralafrikanische Republik auf einzigartige Weise auf die Weltbühne bringen kann.“

Als der zweite Präsident der Welt, der Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel ernannt habe, rühmt sich Faustin-Archange Toudéra, erkenne er seit je, „welches Potenzial Krypto hat und welche Vorteile es auf globaler Skala bringt.“ Damit hat der ehemalige Mathematik-Professor vermutlich gar nicht mal unrecht: Im Mai 2022 hat er Bitcoin und andere Kryptowährungen zum gesetzlichen Zahlungsmittel gemacht und mit Sango.org einen „Krypto-Hub im Herzen Afrikas“ gegründet.

Danach hat man aber nichts mehr von Bitcoin in der Zentralafrikanischen Republik gehört, und die Webseite Sango.org versprach einerseits die Tokenisierung von Rohstoffen des Landes und forderte anderseits auf, ein Token ist kaufen, ist nun aber seit rund einem Jahr nicht mehr erreichbar. Dafür aber gibt es jetzt $CAR, den Memecoin, der, wie alle schlechten Memecoins dieser Wochen, auf der Solana-Plattform pump.fun auftauchte.

Die Krypto-Community ist, natürlich, bis zum Anschlag misstrauisch. Es riecht nach Scam. Das Launch-Video, das Toudéra auf Twitter veröffentlichte, sei, sagten einige Beobachter, durch eine KI gefälscht, ein sogenannter Deepfake, was einige, aber nicht alle Prüfungsmodelle bestätigten. Darüber hinaus wurde die Webseite zum Memecoin, car.meme, erst drei Tage vorher bei Namecheap angemeldet.

Das schreit nach Betrug, oder? Namecheap löschte die Webseite, noch bevor sie archiviert wurde, und Twitter das Video. Faustin-Archange kündigte kurz darauf einen Twitter-Account für News über den Memecoin an, den Twitter aber rasuch ebenfalls löschte. Der Memecoin, der nach einem Blitzstart eine Marktkapitalisierung von etwa 300 Millionen Dollar erreicht hatte, purzelte auf etwa 110 Millionen Dollar. Was gar nicht so wenig ist, wenn man es mit den jährlichen Staatseinnahmen Zentralafrikas vergleicht, die unter 300 Millionen Dollar liegen.

Es gibt nicht eben viele Hinweise darauf, dass es tatsächlich ein Betrug im eigentlichen Sinn ist. Nichts spricht dafür, dass Faustin-Archange Touadéras Twitter-Account gehackt wurde. Er tweetet regelmäßig, gewöhnlich zwar auf Französisch, doch er hat einen Tweet auf Englisch angeheftet:

„Mathematik ist die Sprache des Universums, Bitcoin ist ein universelles Geld.“ Wäre es, angesichts der genannten Vorgeschichte, wirklich überraschend, wenn er einen Memecoin herausgäbe?

Aber, andererseits, muss dies Betrug nicht ausschließen. $CAR kann durchaus sowohl vom Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik herausgegeben werden als auch Betrug sein.

Dass die Unterschiede zwischen Krypto-Scammer und Staatsführer auch im Westen nicht immer so eindeutig sind, hat das $TRUMP-Token bewiesen, das hart an der Schwelle zum Betrug kratzt. Nichts garantiert, dass der Präsident die Einnahmen wirklich für sein Land verwendet, anstatt sie in die eigene Wallet abfließen zu lassen; und nichts bzw. kaum etwas garantiert, dass der Coin wirklich das tut, was Touadéra versprochen hat.

Im Grunde sind Trump und Touadéra hier Brüder im Geist – aber nicht gleichberechtigt. Denn nur einer von beiden darf Webseiten und Twitter-Accounts behalten. Quod licet Iovi, wussten schon die Römer, non licet bovi: Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt.