PKV oder GKV als Selbstständige: So entscheiden Sie richtig
Wenn Sie selbstständig sind, stehen Sie früher oder später vor einer Entscheidung, die mehr Einfluss auf Ihre Finanzen und Ihre Absicherung hat, als viele zunächst denken: gesetzliche oder private Krankenversicherung? Im Gegensatz zu Angestellten sind Sie in dieser Frage nicht durch Einkommensgrenzen eingeschränkt. Sie haben die Wahl – ganz unabhängig davon, wie viel oder wenig […] Der Beitrag PKV oder GKV als Selbstständige: So entscheiden Sie richtig erschien zuerst auf ftd.de.


PKV oder GKV als Selbstständige? (Bild: Maranda Vandergriff, Unsplash)
Wenn Sie selbstständig sind, stehen Sie früher oder später vor einer Entscheidung, die mehr Einfluss auf Ihre Finanzen und Ihre Absicherung hat, als viele zunächst denken: gesetzliche oder private Krankenversicherung?
Im Gegensatz zu Angestellten sind Sie in dieser Frage nicht durch Einkommensgrenzen eingeschränkt. Sie haben die Wahl – ganz unabhängig davon, wie viel oder wenig Sie verdienen. Und genau das macht die Entscheidung nicht einfacher.
Denn beide Modelle haben ihre Vor- und Nachteile – finanziell wie auch inhaltlich.
Damit Sie nicht den Überblick verlieren, schauen wir uns die Unterschiede hier einmal ganz konkret an – verständlich, praxisnah und mit allem, was Sie als Selbstständiger wissen müssen.
Was Selbstständige von Anfang an wissen sollten: Sie haben die freie Wahl
Als Selbstständiger oder Freiberufler dürfen Sie sich entscheiden, ob Sie sich gesetzlich oder privat krankenversichern.
Und zwar unabhängig von Ihrem Einkommen. Das ist ein großer Unterschied zu Angestellten, die erst ab einem Jahresbrutto von aktuell 73.800 Euro (Stand 2025) überhaupt in die private Krankenversicherung wechseln dürfen.
Es gibt allerdings eine Ausnahme: Wenn Sie als selbstständiger Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft arbeiten (z. B. einer GmbH), hängt Ihre Versicherungsfreiheit davon ab, ob Sie sozialversicherungspflichtig sind oder nicht. Hier spielt Ihre tatsächliche Einflussnahme auf die Gesellschaft eine Rolle. Ansonsten gilt: Wer selbstständig arbeitet, kann sich in der Regel entweder freiwillig gesetzlich oder privat versichern.
Wichtig: In der privaten Krankenversicherung ist immer eine Gesundheitsprüfung fällig. Wer Vorerkrankungen mitbringt, muss mit Zuschlägen rechnen – oder kann im Extremfall sogar abgelehnt werden. In der gesetzlichen Versicherung gibt es das nicht. Dort werden alle aufgenommen – egal, wie es gesundheitlich aussieht.
Kosten: Was zahlen Sie monatlich in GKV und PKV?
Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich nach Ihrem Einkommen.
Und zwar nicht nur nach Ihrem Gewinn, sondern nach dem, was das Finanzamt als „Gesamteinkommen“ zählt – also auch Mieteinnahmen, Kapitalerträge und Ähnliches. Der Beitragssatz liegt bei 14,6 %, plus ein Zusatzbeitrag, den jede Krankenkasse selbst festlegt (im Schnitt etwa 1,6 %). Für Selbstständige liegt der Höchstbeitrag bei rund 843 Euro im Monat.
Der Mindestbeitrag beginnt bei etwa 206 Euro. Wer also wenig verdient oder gerade erst startet, kann mit einem niedrigen Beitrag einsteigen – wer gut verdient, zahlt entsprechend mehr.
In der privaten Krankenversicherung sieht das anders aus: Hier wird nicht nach Ihrem Einkommen geschaut, sondern nach Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Tarif.
Das heißt: Wenn Sie jung, gesund und alleinstehend sind, starten Sie zum Teil schon ab 180 bis 200 Euro im Monat. Viele Tarife liegen zwischen 300 und 600 Euro.
Wichtig dabei: In jungen Jahren zahlen Sie oft mehr, als eigentlich notwendig wäre – das dient dem Aufbau von Altersrückstellungen, damit der Beitrag im Alter nicht explodiert.
GKV vs. PKV im Leistungsvergleich: Was bekommen Sie für Ihr Geld?
Auch die Leistungen unterscheiden sich spürbar.
In der GKV bekommen Sie eine solide Grundversorgung – die medizinische „Pflichtausstattung“. Was gesetzlich festgelegt ist, wird übernommen. Das reicht in der Regel aus, aber große Extras wie ein Einzelzimmer im Krankenhaus, Chefarztbehandlung oder kürzere Wartezeiten auf Facharzttermine gibt’s hier nicht ohne Weiteres.
In der PKV sieht das ganz anders aus. Sie können sich Ihren Versicherungsschutz selbst zusammenstellen – nach dem Baukastenprinzip. Wer Wert auf Komfort legt, kann sich beispielsweise Einzelzimmer, Zahnersatz auf Top-Niveau, Zugang zu Spezialisten oder alternative Heilmethoden mit reinpacken.
Einmal gewählte Leistungen können später nicht einfach gestrichen werden – das sorgt für langfristige Planbarkeit.
Familie mitversichern oder nicht?
Ein echter Pluspunkt der GKV ist die beitragsfreie Familienversicherung.
Ehepartner und Kinder ohne eigenes Einkommen sind kostenlos mitversichert. Das macht das Modell besonders interessant für Selbstständige mit Familie – vor allem, wenn der oder die Partnerin nicht oder nur in Teilzeit arbeitet.
In der PKV muss jedes Familienmitglied einen eigenen Beitrag zahlen. Das kann richtig teuer werden. Für eine vierköpfige Familie kommt da schnell eine Summe zusammen, die doppelt oder dreifach so hoch ist wie in der GKV. Wenn Sie also Kinder haben oder planen, ist das ein Punkt, den Sie bei der Entscheidung nicht unterschätzen sollten.
Wechsel zurück in die GKV: Möglich, aber nicht immer einfach
Die Entscheidung für die PKV sollte gut überlegt sein – denn der Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist für Selbstständige oft schwierig.
Wer dauerhaft selbstständig bleibt, hat kaum Chancen, wieder in die GKV zu wechseln. Es gibt aber Ausnahmen:
Wenn Sie Ihre Selbstständigkeit beenden und eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen (mindestens 20 Stunden/Woche und das Einkommen muss über dem Gewinn aus der Selbstständigkeit liegen), können Sie wieder rein. Auch bei Arbeitslosigkeit mit ALG-I-Bezug (nur wenn Sie während der Selbstständigkeit freiwillig in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben) besteht die Möglichkeit.
Andere Möglichkeiten wären eine Familienversicherung über den Ehepartner – allerdings mit Einkommensgrenzen – oder eine Rückkehr über Umwege, z. B. über ein Jahr GKV im EU-Ausland oder den Bundesfreiwilligendienst. Aber: Je älter Sie sind, desto schwieriger wird’s. Ab 55 ist ein Wechsel fast ausgeschlossen.
Langfristig denken – besonders beim Thema Alter
Was viele vergessen: Auch wenn man als junger Selbstständiger von günstigen PKV-Beiträgen profitiert, kann sich das im Alter ändern.
Zwar gibt es Altersrückstellungen, aber mit zunehmendem Alter steigt der Beitrag trotzdem oft spürbar. Wer das Thema früh ausblendet, kann später in finanzielle Engpässe geraten.
In der GKV sieht das entspannter aus: Im Rentenalter sinkt oft das beitragspflichtige Einkommen – und damit auch der Beitrag. Hinzu kommt, dass gesetzlich Versicherte in der Rente oft nur Beiträge auf ihre gesetzliche Rente zahlen, nicht auf ihr gesamtes Einkommen. Auch das ist ein Punkt, der bei langfristiger Planung eine Rolle spielt.
Fazit: Welche Krankenversicherung passt zu Ihnen als Selbstständiger?
Es gibt keine pauschale Antwort. Beide Modelle haben ihre Berechtigung – aber nicht jeder passt in jedes Modell.
- Die PKV ist interessant für junge, gesunde Selbstständige mit hohem oder stabilen Einkommen – vor allem, wenn keine Kinder mitversichert werden müssen.
- Die GKV bietet mehr Planungssicherheit, vor allem wenn Sie gesundheitliche Einschränkungen haben, Kinder mitversichern wollen oder Ihr Einkommen schwankt.
Wer langfristig selbstständig bleiben möchte, sollte den Schritt zur PKV gut durchdenken – und nicht nur auf den günstigen Einstiegstarif schauen. Günstig heißt nicht immer gut. Gerade im Leistungsbereich und bei der Stabilität im Alter trennt sich schnell die Spreu vom Weizen.
Am Ende hilft nur: genau hinschauen, rechnen, vergleichen – und im Zweifel fachlichen Rat einholen. Denn der Wechsel der Krankenversicherung ist keine Kleinigkeit, sondern eine Entscheidung, die Ihre Finanzen und Ihre Gesundheitsversorgung über viele Jahre prägen wird.
FAQ: PKV oder GKV als Selbstständige
Was kostet die GKV als Selbstständiger?
Die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hängen bei Selbstständigen vom Einkommen ab – und zwar vom kompletten Einkommen, also inklusive Mieteinnahmen, Zinsen etc. Der Beitragssatz liegt bei 14,6 % plus einem Zusatzbeitrag (den legt jede Krankenkasse selbst fest – meist so 1,5 % bis 1,7 %).
Das ergibt in der Spitze bis zu ca. 843 Euro im Monat, wenn man gut verdient. Der Mindestbeitrag liegt aktuell bei rund 206 Euro – das zahlen Sie, wenn Ihr Einkommen niedrig oder gar nicht vorhanden ist. Wichtig zu wissen: Als Selbstständige tragen Sie den vollen Beitrag allein, es gibt keinen Arbeitgeberzuschuss.
Dafür gibt’s aber auch keine Gesundheitsprüfung und Familienmitglieder können kostenlos mitversichert sein – das ist vor allem für Familien ein Pluspunkt.
Wie teuer ist die PKV für Selbstständige?
In der privaten Krankenversicherung (PKV) wird nicht aufs Einkommen geschaut – hier bestimmen Alter, Gesundheitszustand und der gewählte Tarif den Beitrag.
Ein junger, gesunder Selbstständiger kann mit 180 bis 300 Euro im Monat einsteigen, in der Regel sind es aber 300 bis 600 Euro. Nach oben offen – je nachdem, was man will: Chefarztbehandlung, Einzelzimmer, Zahnzusatz und so weiter. Wichtig: Die PKV bietet oft bessere Leistungen, aber jede Leistung hat ihren Preis.
Und: Für jedes Familienmitglied muss ein eigener Vertrag abgeschlossen werden – das kann richtig ins Geld gehen. Außerdem: Im Alter können die Beiträge steigen, auch wenn Altersrückstellungen gebildet werden. Wer langfristig dabei bleibt, muss das von Anfang an mit einkalkulieren.
Kann man als Selbstständiger in der GKV bleiben?
Ja, absolut. Selbstständige dürfen freiwillig gesetzlich krankenversichert bleiben – ganz ohne Einkommensgrenze.
Viele machen das auch, vor allem wenn sie Familie haben oder Vorerkrankungen, bei denen die PKV entweder teuer wird oder ablehnt. Die GKV ist verlässlich, bietet eine solide Grundversorgung und Sie können später auch noch in die PKV wechseln, wenn sich Ihre Lebenssituation ändert. Andersrum ist es komplizierter – der Rückweg von der PKV in die GKV ist oft nur über Umwege möglich.
Wer also langfristig plant oder flexibel bleiben will, fährt mit der GKV gar nicht so schlecht.
Der Beitrag PKV oder GKV als Selbstständige: So entscheiden Sie richtig erschien zuerst auf ftd.de.