Lidl bestätigt: Alle SB-Kassen-Filialen erhalten künftig Auslassschranken
Auch bei Lidl müssen Kund:innen nach dem Bezahlen am Self-Checkout künftig ihren Bon scannen, um ausgelassen zu werden. Das ginge theoretisch komplett digital über die Lidl-Plus-App, ist dort aber noch nicht optimal umgesetzt. Außerdem wird der Test mit Scan & Go erweitert. Der Beitrag Lidl bestätigt: Alle SB-Kassen-Filialen erhalten künftig Auslassschranken erschien zuerst auf Supermarktblog.

Was Erfahrungen mit neuen Technologien angeht, sind Lebensmittel-Handelsketten wie kleine Kinder: Jede(s) muss selbst mal auf die Herdplatte gefasst haben, um zu merken, dass das heiß ist und sich kein zweites Mal empfiehlt. Und damit wären wir auch schon bei Lidl, das seit einigen Monaten auch in Deutschland endlich Selbstbedienungskassen in seine Filialen integriert, diese dafür geringfügig umbauen muss – und jetzt: vielerorts gleich nochmal.
Zumindest ist derzeit zu beobachten, wie die teilweise erst vor kurzem installierten Self-Checkout-Bereiche schon wieder umsortiert werden. Grund dafür ist die nachträgliche Installation von Auslassschranken, die verhindern sollen, dass Kund:innen mit unbezahlter Ware einfach aus dem Laden spazieren können.
In größeren Filialen, etwa in der Kölner Innenstadt oder am Berliner Ku’damm (siehe Supermarktblog), sind die Schranken entweder von Anfang an oder schon länger Teil des Kassensystems.
In anderen Märkten verzichtete Lidl hingegen zunächst darauf. Die Beaufsichtigung der drei bis vier SB-Kassen erfolgte in der Regel von der gegenüber positionierten Bedienkasse – zusätzlich zu den regulären Aufgaben der dort arbeitenden Kassenkräfte.

Zweimal umgebaut ist besser als einmal nachgedacht?
Die Erfahrung scheint Lidl gelehrt zu haben, dass das nicht ausreicht. In einem von mir besuchten Markt wurden die SB-Kassen nun neu angeordnet: Die Geräte rückten ganz nach rechts an den Rand, gegenüber ist Quengelware wie bei den übrigen Kassen positioniert. Am Ende erfolgt der Auslass durch besagte Schranke.

Eine klassische Aufsicht gibt es nicht (mehr); stattdessen signalisieren – wie berichtet – die live auf den Kassenbildschirmen eingeblendeten Bilder der Überwachungskamera, dass die Kund:innen nicht unbeobachtet agieren.
Der Kassenkraft an der dahinter gelegenen Bedienkasse obliegt es weiterhin, bei Bedienfehlern oder Warnhinweisen einzugreifen, die sie vermutlich auf ihren eigenen Screen gepusht kriegt.
Die Schranke am Ende des SB-Bereichs öffnet sich nach dem Bezahlen nur, wenn Kund:innen den auf ihrem Kassenbon gedruckten Barcode scannen. „Zum Verlassen benötigst du deinen Kassenbon“, steht nun auf den Bondruckern. Und auf dem Zettel selbst: „Benutze den Kassenbon zum Verlassen der Kassenzone.“
Die anderen machen das längst so
Auf Supermarktblog-Anfrage erklärt Lidl, man teste „aktuell in einigen Lidl-Filialen unterschiedliche Checkout-Konzepte“, um „unseren Kunden einen bequemen und schnellen Einkauf zu ermöglichen“. Und weiter:
„Hierzu gehört auch der Einsatz von Selbstbedienungskassen, die 2023 erstmals bei Lidl eingeführt wurden und seither in immer mehr Filialen zu finden sind. Die Ausstattung der Selbstbedienungskassenbereiche mit Ausgangsschranken ist für alle Filialen geplant.“

Das ist insofern bemerkenswert, als dass man diese Erkenntnis auch früher hätte haben können: Nicht nur die Schwester Kaufland beschrankte ihre Self-Checkouts bereits vor vielen Jahren nach (2019! – siehe Supermarktblog); auch andere Lebensmitteleinzelhändler sind diesem Schritt seitdem gefolgt.
So bestätigte u.a. Rewe 2023, dass „bei allen neuen SCO-Installationen ein Exitgate zur Diebstahlprävention“ eingebaut wird, „wenn dies räumlich/baulich möglich ist“. Auch Penny setzt im Discount auf Auslassschranken mit dem Hinweis: „Ihr Bon ist der Türöffner.“ Das Rad musste also nicht neu erfunden werden – Lidl hätte von den Erfahrungen anderer Händler lernen können, statt nun in vielen Filialen teure Doppelumbauten zu stemmen.
Mit dem E-Bon ginge es auch
Die Kund:innen scheinen die nachträgliche Verschrankung gelassen hinzunehmen. Vermutlich, weil viele das System bereits von anderen Händlern kennen. Staus an den Ausgangsschranken hab ich zumindest bislang keine beobachten können.
Wer als registrierte:r Nutzer:in Lidl Plus scannt und den Verzicht auf den regulären Papierbon aktiviert hat, erhält übrigens nur noch einen fünf Zentimeter hohen Schnipsel mit Code, Artikelanzahl und bezahltem Betrag. Der theoretisch aber auch nicht mehr notwendig wäre. Denn auf Supermarktblog-Anfrage bestätigt Lidl:
„Für den Auslass kann entweder der Papierbon oder der digitale Kassenbon in der Lidl Plus-App genutzt werden.“
Das allerdings kommuniziert man in den von mir besuchten Filialen bislang an keiner Stelle (und auch noch nicht in der App). Was daran liegen mag, dass der E-Bon im zunehmend überfrachteten Lidl-Plus-App-Universum erst über den „Mehr“-Eintrag im Hauptmenü > „Einkäufe/Bestellungen“ > „Meine Kassenbons“ > aktueller Bon aufgerufen werden müssen – was ihn leider zu keiner besonders praktischen Auslass-Option macht. (Ein nach dem Bezahlen automatisch auf dem App-Home-Screen auftauchender Code wäre deutlich hilfreicher.)
Belohnung fürs Scan-&-Go-Testen
Seit kurzem testet der Discounter bereits einen voll digitalen Ansatz bei Pfandbons. Statt Papierbelege auszudrucken, werden Pfandguthaben direkt in der Lidl-Plus-App gespeichert und können an der Kasse verrechnet werden (siehe Supermarktblog).
Darüber hinaus hat Lidl den hier im Blog beschriebenen Scan-&-Go-Test erweitert. Nachdem das Erfassen von Produkten während des Einkaufs zunächst lediglich in einer Neckarsulmer Filiale verfügbar war, steht die Möglichkeit nun auch Lidl-Kund:innen in Koblenz, Unna, Dachau, Lübben, Mosbach-Diedesheim und Salzgitter-Bad zur Verfügung.

Wer eine teilnehmende Filiale in seiner Lidl-Plus-App ausgewählt hat, sieht Scan & Go nicht nur prominent platziert auf dem Homescreen der App, sondern wird auch per E-Mail zur Nutzung aufgefordert:
„Teste jetzt das neue Feature Scan & Go und erlebe wie einfach Einkaufen sein kann.“
Tester:innen erhalten nach ihrem Ersteinkauf einen 5-Euro-Coupon, der innerhalb von sieben Tagen in derselben Filiale eingelöst werden muss.
SB-Kassen bleiben Ergänzung
Der Discounter sieht „viele Vorteile für unsere Kunden“ mit Scan & Go: „Keine Wartezeiten an der Kasse, direktes Einpacken der Produkte in die Einkaufstasche und dauerhafte Kontrolle der Ausgaben und Ersparnisse mit jedem Scan in der Lidl Plus-App.“ Wie umfassend getestet werden soll, sagt man aber nicht.
Eine Sprecherin ergänzt jedoch, dass keine Komplettumstellung auf die neuen Kassensystematiken geplant ist:
„Grundsätzlich werden Selbstbedienungskassen herkömmliche Kassen nicht ersetzen. Vielmehr bieten wir unseren Kunden einen zusätzlichen Service. Wir überlassen unseren Kunden die Wahl, welches Kassensystem sie nutzen möchten.“
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