Autoexperte Dudenhöffer: „Unsere Autoindustrie lebt von China, nicht von Amerika“
„Trump hasst die deutschen Autobauer“, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Er befürchtet, dass der Industriezweig ausblutet und hunderttausende Jobs wegfallen. Die Rettung sieht er in China

„Trump hasst die deutschen Autobauer“, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Er befürchtet, dass der Industriezweig ausblutet und hunderttausende Jobs wegfallen. Die Rettung sieht er in China
Trump will mit seinen Auto-Zöllen die Produktion in den USA ankurbeln. Wird er damit erfolgreich sein?
FERDINAND DUDENHÖFFER: Wenn er langfristig bei 25 Prozent bleibt, dann ja. Zölle in dieser Höhe werden viel zerstören. Trump hasst die deutschen Autobauer. Der US-Präsident verfolgt zwei Ziele: Einerseits sollen die Zölle Jobs in den USA retten und andererseits drückt er damit seine Feindseligkeit gegenüber Deutschland und Europa aus.
Welche Unternehmen stehen besonders unter Druck?
Porsche zum Beispiel hat keine Produktion in Amerika. Ungefähr 30 bis 40 Prozent der Fahrzeuge werden in den USA verkauft. Die Zölle in Höhe von 25 Prozent kann sich der Autobauer nicht leisten. Porsche wird nichts anderes übrig bleiben, als die Preise um 10 oder 20 Prozent zu erhöhen und zu versuchen, den Rest selbst zu kompensieren. Um das Volumen zu halten, wird der Autobauer Verluste machen. Das Gleiche gilt für Audi, Volkswagen und größtenteils auch für Mercedes und BMW. Denn ihre Limousinen werden alle in Europa gefertigt. BMW produziert zumindest schon in den USA. Allerdings bislang nur SUVs. Diese werden aber auch nach China exportiert. Sollte China mit Gegenzöllen reagieren, dann hat auch BMW das Problem, seine Autos in China mit Gewinn zu verkaufen.
© Johannes Neudecker/dpa
Ist es möglich, ein Fahrzeug mit einem Zoll von 25 Prozent profitabel in die USA zu importieren?
Nein, das ist unmöglich. Porsche macht derzeit etwa eine Umsatzrendite von 10 bis 12 Prozent. Entweder erhöht der Autobauer die Preise und verliert Kunden, oder er macht Verluste. Egal wie sie es machen, sie machen es falsch. Porsche hängt am Haken von Trump.
Könnte BMW seine Produktion in den USA hochfahren?
Denkbar wäre es sicherlich, weniger SUVs und mehr Limousinen zu produzieren. Aber über Nacht geht das auch nicht. Es ist nicht so, dass man heute noch einen SUV baut und morgen bastelt man auf der derselben Produktionsstraße einen Pkw, eine Limousine oder ein Cabrio. Allein die entsprechenden Maschinen und Werkzeuge dafür zu bekommen, dauert ein dreiviertel Jahr. Eine Anpassung der Produktion ist zwar möglich. Sie kostet aber nicht nur Zeit, sondern vor allem auch Geld.
Wie aufwendig ist es, eine Fabrik von Grund auf neu zu bauen?
Eine Produktion in den USA aufzubauen, dauert mindestens zwei Jahre. Diese Durststrecke bringt Autobauer in eine sehr schwierige ökonomische Situation. Schließlich investieren sie in eine ungewisse Zukunft. Wenn Hersteller eine Fabrik bauen, machen sie eine Investitionsplanung für zwanzig Jahre. Woher sollen Porsche und Co heute wissen, wie viele Autos sie in zehn Jahren verkaufen? Das ist eine große Unbekannte. Mit Trump gibt es keine Stabilität.
Deutschen Autobauern werden also nicht in neue Produktionsstätten investieren?
BMW und Co werden keine neuen Fabriken bauen. Sie werden sich aber anpassen und überlegen, wie sie ihr Volumen verschieben können. Eine Möglichkeit ist das CKD-Verfahren. Das steht für „completely knocked down“. Mit diesem Verfahren werden Autos in ihren Einzelteilen in Kisten verschifft. Es kommt dort zur Anwendung, wo die Einfuhrzölle besonders hoch sind, um diese Abgaben zu umgehen. Solche Anpassungen laufen schon seit Jahren. Autobauer werden ihre Produktion aber auch nicht komplett auf das CKD-Verfahren umstellen.
Vielleicht ist das auch gar nicht notwendig. Für Deutschland würden die Zölle nach Berechnungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft lediglich knapp 0,03 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Das fällt doch gar nicht ins Gewicht, oder?
Diese Einschätzung: „Die Preise gehen jetzt ein bisschen hoch, die Autobauer verdienen weniger und morgen früh ist das erledigt“, halte ich für falsch. Was wir nicht vergessen dürfen: Die Industriestruktur wird sich verändern. Sobald sich die Autoindustrie aus Deutschland zurückgezogen hat, kommt sie auch nicht mehr zurück. Selbst dann nicht, wenn die Zölle wieder abgeschafft werden. In der deutschen Automobilindustrie arbeiten heute rund 780.000 Menschen, schon bald könnten es nur noch 500.000 sein. Dieser Industriezweig blutet aus.
Wie soll sich Europa jetzt aufstellen?
Trump und Putin teilen gerade Europa unter sich auf. Und wir schauen ein bisschen hilflos zu. Wir müssen uns nach einem neuen Partner umschauen. Es gibt einen, der sehr stark ist, mit dem unsere Industrie schon hervorragend zusammenarbeitet und der hochinnovativ ist: China. Unsere Autoindustrie lebt von China, nicht von Amerika. In den chinesischen Werken entsteht die Wertschöpfung, nicht durch Exporte. Die Frage, die sich jetzt stellt: Schaffen wir in Zusammenarbeit mit China den dringend notwendigen Turnaround?
Der Beitrag ist zuerst bei ntv.de erschienen. Das Nachrichtenportal gehört wie Capital zu RTL Deutschland.