Von wegen nur Sekunden! Kernfusionsforscher halten Plasma erstmals 22 Minuten stabil
Im Wettlauf um den ersten Kernfusionsreaktor erzielen Forscher rund um die Erde immer neue Bestmarken. Wer hält das Plasma am längsten stabil? Vor kurzem bewegten wir uns noch in Sekundenbereichen, dann, im Januar 2025 meldete der chinesische Experimental Advanced Superconducting Tokamak (EAST) fabelhafte 18 Minuten bei mehr als 100 Millionen Grad Celsius. Dieser Rekord ist …

Im Wettlauf um den ersten Kernfusionsreaktor erzielen Forscher rund um die Erde immer neue Bestmarken. Wer hält das Plasma am längsten stabil? Vor kurzem bewegten wir uns noch in Sekundenbereichen, dann, im Januar 2025 meldete der chinesische Experimental Advanced Superconducting Tokamak (EAST) fabelhafte 18 Minuten bei mehr als 100 Millionen Grad Celsius. Dieser Rekord ist schon am 12. Februar wieder gefallen, als der französische Forschungsreaktor WEST die Bestmarke um 25 Prozent übertraf: 22 Minuten Plasmastabilität, bei »nur« rund 50 Millionen Grad Celsius, gilt es als Nächstes, zu übertrumpfen.
Bei der Kernfusion verschmelzen Deuterium und Tritium
Genau 1.337 Sekunden hielten die Wissenschaftler in Frankreich ihr Plasma mittels Magnetfelder stabil, während die Mega-Hitze tobte. Die hohen Temperaturen sind nötig, um die Abstoßung positiv geladener Atomkerne zu überwinden und so die Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium zu verschmelzen. In der ringförmigen Reaktorkammer entstehen unter Freisetzung enormer Energiemengen neue Neutronen, solange das Plasma bestehen bleibt.
35 Nationen arbeiten an dem Projekt in Cadarache
Die französische Forschungsanlage befindet sich im südfranzösischen Cadarache, in ihr bereitet ein internationales Team den International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) vor. 35 Nationen sind an den Experimenten beteiligt, neben der Europäischen Union auch die USA, China und Russland. Das nächste Ziel besteht in einer Plasmadauer von mehreren Stunden mit höheren Temperaturen. Das EAST ist dem WEST dabei weiterhin. Auf den Fersen und wird vielleicht schon bald die 22 Minuten übertreffen.
Aber wer auch immer als Erstes die »Plasmastunde« überschreitet, jeder Versuch liefert wichtige Kenntnisse für eine nahezu unbegrenzte Energiequelle der Zukunft. Bei den leicht unterschiedlichen Versuchsansätzen wird sich zeigen, was besser funktioniert und was weniger gut. Ob es dann wirklich noch einige Jahrzehnte bis zur Zielerreichung dauert – oder nur wenige Jahre – warten wir ab.
Quelle: heise.de