US-Zölle gegen Europa: Wenn Trump Ernst macht: „Dann gibt es eine klare rote Karte“

Donald Trump will am Abend weitere Zölle gegen die EU verkünden. Der Europa-Abgeordnete Bernd Lange rechnet mit Umsatzeinbußen – und erklärt, warum Europa nicht machtlos ist

Apr 2, 2025 - 18:23
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US-Zölle gegen Europa: Wenn Trump Ernst macht: „Dann gibt es eine klare rote Karte“

Donald Trump will am Abend weitere Zölle gegen die EU verkünden. Der Europa-Abgeordnete Bernd Lange rechnet mit Umsatzeinbußen – und erklärt, warum Europa nicht machtlos ist

Capital: Herr Lange, Donald Trump will seine neuen Zölle gegen 22 Uhr deutscher Zeit verkünden. Haben Sie sich schon auf eine lange Nacht eingestellt? 
BERND LANGE: Wir wussten ja, dass Trump zu diesem Termin seine Ankündigungen sogar im Rosengarten des Weißen Hauses zelebrieren wird. Wir müssen sehen, was tatsächlich herauskommt – aber ja, es wird eine lange Nacht. Er nennt es „Tag der Befreiung“, ich nenne es „Tag der Willkür“. 

Bisher ist kaum etwas bekannt darüber, was genau der US-Präsident plant. Womit rechnen Sie? 
Es wird weitere Zölle geben – quasi auf alles. Aber einige Produkte werden noch einmal spezifisch anvisiert werden. Aus Kreisen des US-Handelsministeriums wissen wir, dass wohl Autos, Kupfer, Holz, Halbleiter, Pharma und vielleicht Maschinenbau noch sektorspezifisch bezollt werden. 

Der EU-Abgeordnete Bernd lange steht im Anzug im Plenumssaal des EU-Parlaments und hält eine Rede
Bernd Lange (SPD) ist Vorsitzender des Handelsausschusses im Europäischen Parlament
© Christian CREUTZ

Wie stark würde das die europäische Wirtschaft treffen? 
Das wird einen Umsatzrückgang mit sich bringen. Was jetzt im Raum steht, geht deutlich über bisherige Zölle hinaus, es wird europaweit ein hoher zweistelliger Milliardenbetrag sein. Ein solcher Umsatzeinbruch ist für einige Sektoren schon gravierend, gerade in Deutschland. Wir haben eine starke Exportorientierung in die USA, und 57  Prozent der Exporte kommen aus drei Sektoren: Autos, Maschinenbau und Pharma. Wenn die drei besonders betroffen sind, dann haben wir ein seriöses Problem. 

Die Europäische Kommission hat bereits angekündigt, dass es eine geeinte Reaktion geben würde. Wie diese konkret aussehen wird, ist aber noch unklar. Welche Möglichkeiten liegen auf dem Tisch? 
Es gibt eine ganze Bandbreite an Gegenmaßnahmen. Wir müssen sehen: Als Europäische Union sind wir wirtschaftlich stark. Auch die USA haben hier Exportinteressen, vor allem im Dienstleistungssektor. Am liebsten würden wir verhandeln, aber das geht im Moment nicht. Die Handelspolitik liegt komplett in der Hand von Donald Trump, und der hat Verhandlungen abgelehnt, um zuerst Zölle zu setzen. Deswegen werden wir Gegenzölle verhängen und dann sehen, ob wir an den Verhandlungstisch kommen können. 

Wie werden diese Gegenzölle konkret aussehen? 
Es gibt eine Liste mit Maßnahmen, die wird abhängig von den Ereignissen heute Nacht fertiggestellt. Darauf steht eine ganze Reihe amerikanischer Produkte, von Stahl über Agrarprodukte, Textilien und Industrieprodukte. Am 9. April wird sie noch einmal mit den Mitgliedsstaaten besprochen, und am 14. April werden die Gegenzölle in Kraft treten – immer unter der Maßgabe, dass wir das Niveau der Schäden berücksichtigen und möglichst viele Alternativen haben, sodass wir uns nicht selbst schädigen. Das ist gerade in der Mache. 

Sie haben bereits die amerikanischen Dienstleister angesprochen, vor allem Digitalkonzerne wie Google und Meta verdienen in Europa viel Geld. Es gibt Stimmen, die fordern, dass man gezielt gegen diese Firmen vorgehen sollte. Was halten Sie davon? 
Es kommt darauf an, was wirklich passiert. Wenn Donald Trump uns unter Druck setzen will, dass wir Gesetze ändern – dann gibt es eine klare rote Karte. Meta hat in Europa mehr Kunden als die USA Einwohner, die verdienen hier wirklich sehr viel Geld. Wir könnten dann zum Beispiel die Kontrolle dieser Unternehmen mit einer Abgabe versehen, die sie zahlen müssten. Das wäre aber eine Eskalationsstufe, die wir nicht als Erstes auf den Tisch legen werden. 

Einige Regierungen in Europa sind aber auch dezidiert Trump-freundlich. Wie geeint ist die Europäische Union denn wirklich im Umgang mit der US-Regierung?  
Wir haben hier auf jeden Fall gemeinsame Interessen, der Binnenmarkt und die Lieferketten sind so eng verwoben. Klar gibt es mal Diskussionen, welche Produkte man mit Zöllen belegen sollte und welche Befürchtungen vor Gegenreaktionen ein Staat hat. Aber insgesamt ist die Haltung sehr geschlossen. Die geopolitische Situation ist erkannt worden und der Kommission wird der Rücken gestärkt.

Mal ganz ehrlich: Glauben Sie noch an einen Deal mit der Trump-Regierung? 
Wir werden alles versuchen. Diese Situation ist wirklich nicht im Interesse eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums und gar nicht im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Zölle bedeuten Inflation, gerade in Deutschland können wir das gar nicht gebrauchen. Wir werden alles tun, um eine Verhandlungslösung zu erzielen.