Darknet-Märkte kehren angeblich zu Bitcoin zurück
Nachdem die Darknetmärkte, auf denen online Drogen verkauft werden, vermehrt zu Monero gewechselt haben, findet nun wohl eine Rückkehr zu Bitcoin statt. Grund sind anscheinend die zunehmenden Restriktionen gegen den Privacycoin.

Nachdem die Darknetmärkte, auf denen online Drogen verkauft werden, vermehrt zu Monero gewechselt haben, findet nun wohl eine Rückkehr zu Bitcoin statt. Grund sind anscheinend die zunehmenden Restriktionen gegen den Privacycoin.
Eric Jardine, Cybercrime-Forscher bei Chainalysis, berichtet im Interview mit Coindesk von einem Trend im Darknet, mit dem teilweise schon zu rechnen war: die kriminellen Märkte kehren zu Bitcoin zurück, nachdem sie entweder vollständig auf den Privacycoin Monero gewechselt hatten oder diesen parallel zu Bitcoin annahmen.
Monero (XMR) hat für das dunkle Internet einige bestechende Vorzüge: Dank Ringsignaturen, Zero-Knowledge-Proofs und weiterer Technologien verkörpert der Coin den vermutlich höchsten Grad an Anonymität, den man in der Krypto-Welt bekommen kann. Es gilt als unmöglich, der Spur der Transaktionen zu folgen, was nicht nur Sicherheit schafft, sondern auch das lästige und zeitraubende Waschen von Bitcoins erspart. Daher war Monero bereits im Begriff, Bitcoin zu verdrängen und zur Leitwährung anonymer Märkte zu werden. Man konnte schon fast von einem „Flippening“ sprechen.
Nun aber, erklärt Jardin, „beobachten wir eine signifikante Steigerung der Bitcoin-Einzahlungen, nachdem die großen Börsen Monero delistet haben. Die verminderte Verfügbarkeit treibt die User zurück zu Bitcoin.“ Zahlreiche große Börsen – Binance, Kraken, OKX – haben Monero ganz oder für bestimmte Jurisdiktionen vom Handel genommen, während andere – Bitcoin.de, Coinbase – ihn aus berechtigten regulatorischen Bedenken gar nicht erst aufgenommen hatten. In der Post-MICA-EU ist der Handel mit Monero regulatorisch mehr oder weniger unmöglich.
Schon heute erlauben nur wenige Börsen den Handel mit Monero, etwa Kucoin, Bitfinex oder MEXC. Die Monero-Community hat wenig Zuversicht, dass dies so bleibt, und setzt deswegen auf Atomic Swaps, die es erlauben, ohne Mittelsmann Bitcoin gegen Monero zu wechseln. Auch der Tausch gegen Gutscheine auf diversen Plattformen ist ein beliebtes Instrument, Monero „auszucashen“, ohne den mühsamen Weg über die Börsen zu gehen.

Kursverlauf von Monero nach coinmarketcap.com.
Nichtsdestoweniger ist der Kursverlauf von Monero in diesem Jahr äußerst günstig. Der Preis stieg in zwölf Monaten von 123 auf 216 Dollar und nahm, als eine der wenigen Kryptowährungen, auch in Bitcoin zu, von 0,0017 auf 0,0025 BTC. Allerdings meint Jardine, dass das Delisting von Monero von den großen Börsen diesem doch geschadet habe: „Um ein effektives Zahlungsmittel zu sein, braucht man eine gewisse Liquidität und eine gewisse Verfügbarkeit.“

Onchain-Transaktionen von Monero nach BitInfoCharts.com.
Onchain-Daten bestätigen diesen Trend, anders als Coindesk nahelegt, jedoch nicht. Zwar gab es im April 2024 eine Spitze, von der aus das Onchain-Volumen massiv gesunken ist. Doch diese Spitze entstand als Folge des „Black Marble“-Angriffs, der versuchte, Monero durch eine Transktionsflut zu deanonymisieren. Insgesamt zeigt die Statistik von BitInfoCharts eine langfristig konstante, wenn auch sanfte Steigung des Volumen.

Handelsvolumen von Monero nach Coinmarketcap.com / Tradingsview.com.
Auch das Handelsvolumen zeigt, trotz einer geringeren Anzahl von Börsen, keinen Rückgang, sondern steigt im Lauf der letzten drei Jahre signifikant. Falls Monero weniger als Zahlungsmittel verwendet wird, scheint die Spekulation unverdrossen zuzunehmen.
Inwieweit die Darknetmärkte also tatsächlich von Monero abrücken, ist ohne erheblichen Aufwand kaum nachzuvollziehen. Chainalysis hat hier eine starke Expertise, ist aber auch befangen, da Monero dem Analysten Probleme bereitet und es gut für seine Stellung bei seinen Kunden ist, üblicherweise Behörden und Börsen, wenn Monero auf dem Rückgang ist. Logisch gesehen ergibt die These aber durchaus Sinn.