Leapmotor-Manager: „Wir fokussieren uns auf Volumen“

Martin Resch im Interview: Warum Leapmotor auf Volumenmodelle setzt, auf ein Händlernetz vertraut und Premium links liegen lässt. Der Beitrag Leapmotor-Manager: „Wir fokussieren uns auf Volumen“ erschien zuerst auf Elektroauto-News.net.

Apr 5, 2025 - 06:18
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Leapmotor-Manager: „Wir fokussieren uns auf Volumen“

Martin Resch verantwortet den Marktstart der chinesischen Elektromarke Leapmotor in Deutschland – ein Projekt, das er als sein „New Baby“ bezeichnet. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Händlernetzentwicklung bei Opel, PSA und Stellantis kennt er die Anforderungen an einen erfolgreichen Markteintritt wie kaum ein anderer.

Im Gespräch mit Elektroauto-News-Herausgeber Sebastian Henßler erklärt Resch, wie Leapmotor gemeinsam mit Stellantis auf dem europäischen Markt Fuß fassen will, welche Rolle Range-Extender dabei spielen und warum der Aufbau eines dichten Händlernetzes zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil wird.

Leapmotor | Martin Resch – Director Leapmotor Deutschland

Das Interview gewährt einen Blick hinter die Kulissen des ambitionierten Joint Ventures – von strategischen Entscheidungen über technologische Alleinstellungsmerkmale bis hin zu konkreten Herausforderungen im europäischen Umfeld.


Sebastian Henßler: Hallo Martin, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, über Leapmotor mit uns zu sprechen. Bevor wir allerdings einsteigen, würde es mich freuen, wenn du ein paar Worte zu deiner Person verlierst.

Martin Resch: Mein Name ist Martin Resch. Ich bin eigentlich, wenn man auf die Historie geht oder meinen Werdegang, schwerpunktmäßig mein ganzes Leben in der Automobilbranche unterwegs, bin aufgewachsen in einem eigenen Opel-Autohaus. Wir waren 80 Jahre Opel-Vertragshändler und ich bin dann mit so einem kleinen Umweg über eine Unternehmensberatung seit 2006 bei Opel und dann in Folge PSA und Stellantis. Ich habe dort in den letzten neun Jahren die Händlernetzentwicklung verantwortet und seit Anfang letzten Jahres das spannende Projekt, unser New Baby, Leapmotor, das ich im deutschen Markt verantworten darf.

Leapmotor ist in China bereits etabliert. Welche Erwartungen hat das Unternehmen an den europäischen Markt?

Also wie du richtig sagst, in China ist momentan die Entwicklung von Leapmotor wirklich rasant unter den neuen Start-ups, die 2015 gegründet worden sind. Die Entwicklung mittlerweile 300.000 Autos. Letztes Jahr, im vorletzten Jahr 144.000. Also eine Steigung über 100 Prozent, ein richtig starker Player. Und die Erwartungshaltung an den europäischen Markt ist im Prinzip, dass wir ein nachhaltig solides Fundament schaffen, dass die Marke langfristig in Europa erfolgreich sein wird. Also solides Fundament, das ist so die Klammer. Und natürlich dann auch nachhaltiges Wachstum zu generieren in Anzahl an Händlerstandorten, natürlich im Volumen.

300.000 Fahrzeuge in einem Jahr. Sprechen wir hier von rein elektrischen oder elektrifizierten und/oder auch dann Verbrenner, die noch mit im Spiel sind?

Schwerpunktmäßig rein elektrisch, aber natürlich auch in China dem Trend folgend: Range Extender. Wo wir auch im letzten Jahr einen sehr starken Aufschlag hatten. Also mittlerweile dann kombiniert, nicht rein elektrisch, aber der größte Anteil, über 70 Prozent ist rein elektrisch.

Der Ansatz für Europa wird dann sein, auch zum größten Teil auf rein elektrisch plus Range Extender?

Gestartet sind wir im letzten September mit dem T03 und jetzt im Frühjahr mit dem C10, dann als rein elektrische Variante und als Range Extender. Also wir werden auch auf beide Technologien setzen hier in Europa.

Aber Verbrenner-Varianten sieht man hier erst mal nicht?

Reine Verbrenner-Varianten wird man nicht sehen. Der Fokus von Leapmotor liegt ganz klar auf der Entwicklung und Weiterentwicklung der Elektromobilität. Natürlich ist eine Range Extended-Technologie dem Kundenbedarf angepasst, weil wir einfach in Europa, schwerpunktmäßig in Deutschland, natürlich immer noch KundInnen haben, die mit Reichweitenangst zu kämpfen haben oder mit der Technologie an sich. Deswegen macht es Sinn, dass wir auch eine neue Technologie, die gar nicht so neu ist, bei Opel hatten wir den Ampere 2011 schon als Range Extender, aber die jetzt einfach eine Renaissance findet, die sehr, sehr stark in den letzten vier Jahren in China gewachsen ist.

Ich glaube, von 100.000 verkauften Einheiten mit Range Extender jetzt auf letztes Jahr über 1,2 Millionen. Also sehr stark wachsender Markt, auch die Nachfrage. Und das komplettiert einfach unser Modellangebot. Und wir haben für alle Kund:innen, dann das passende Angebot.

Ihr habt euch mehr als verdoppelt im vergangenen Jahr in China. Warum kommt man jetzt überhaupt nach Europa? Warum ist der Zeitpunkt für den Markteintritt jetzt ideal?

Ich glaube, der Zeitpunkt ist jetzt erst mal eine logische Konsequenz aus der Abfolge. Stellantis hat sich mit 1,5 Milliarden im Herbst 2023 an Leapmotor beteiligt. Das war mal die Basis und so ziemlich genau vor einem Jahr fiel die Entscheidung, dass man in den europäischen Markt ging und hat auch dann dementsprechend den Joint Venture letzten Mai gegründet. Und deswegen war die Abfolge eigentlich erst mal logisch und deswegen sind wir dann auch folgerichtig im letzten September gestartet und das ist natürlich alles sehr, sehr rasant und schnell.

Dennoch seid ihr jetzt auch mit einem breiten Angebot angekommen beziehungsweise auch mit einem Ausblick, was bis Ende des Jahres dann noch kommt. Kannst du uns einen Abriss geben, mit welchen Modellen ihr jetzt hier in Europa startet oder gestartet seid?

Der Start war der T03, ein A-Segment E-Auto für 18.900 Euro. Das war jetzt erst mal das Kernprodukt bei dem Marken-Launch. Jetzt flankierend, was wir jetzt wirklich zu den Händlern bringen, ist der C10, eben in beiden Varianten, E-Auto und Range-Extender. Und noch dazu haben wir schon kommuniziert, dass wir im Herbst mit dem B10 kommen, also C-Segment, und dann wird es im Endeffekt auch Schlag auf Schlag gehen.

Wir sind auf der IAA Mobility in München dieses Jahr. Da wird es die nächste Weltpremiere geben. Wir werden eigentlich jetzt über jedes halbe Jahr schauen, dass wir ein neues Modell bekommen und in der Endausbaustufe, wenn wir dann sechs Modelle haben, uns dann von A- bis D-Segment zum Vollsortiment entwickeln.

Leapmtotor | Leapmotor T03 für Einstieg ins Volumensegment

Zuvor hast du erwähnt, ihr wollt hier in Europa eine solide Basis schaffen. Kann man solide Basis mal in Fahrzeugen oder angestrebten Zielen, was wollt ihr da erreichen?

Ich glaube, momentan ist es, wenn ich für Deutschland sprechen kann, ist es natürlich unheimlich schwer aufgrund der Rahmenbedingungen, eventuell angekündigte Subventionen für Elektromobilität, auf der anderen Seite in Zollthematik. Also es fällt unheimlich schwer, jetzt erst mal eine solide Prognose für einen Newcomer abzugeben. Ich glaube, unser primäres Ziel ist, dass wir Monat für Monat Fortschritte machen wollen, wachsen wollen in puncto Kundenauftragseingänge, natürlich auch in puncto Zulassungen.

Aber wir fahren momentan, glaube ich, ganz gut und auf Sicht, Monat für Monat die Fortschritte zu bewerten. Also es gibt nicht die große Zahl, die wir jetzt anstreben. Ich glaube, dafür gibt es noch viel zu viel Unwägbarkeiten in dem Jahr. Und von dem her, glaube ich, tun wir gut daran, Monat für Monat zu schauen, uns neu zu kalibrieren, aber der Fokus ist natürlich klar auf Wachstum gelegt.

Schritt für Schritt ergibt ja durchaus Sinn, gerade mit den politischen Rahmenbedingungen, die du jetzt angesprochen hast, die entweder vorhanden sind oder eben auch noch komplett fehlen. Ihr seid ja aber auch schon in Märkte gegangen seit September. Welche Märkte wurden zuerst bedient, und warum?

Ich glaube, durch diesen Zusammenschuss mit Stellantis hatten wir erst mal Zugang oder haben wir prinzipiell Zugang zu allen europäischen Märkten gestartet. Im letzten September sind wir in sechs europäischen Märkten auf dem Festland, dann jetzt im Januar in Großbritannien und sukzessive kamen jetzt in den letzten zwei, drei Monaten auch weitere Länder wie Dänemark, Österreich, Rumänien, Polen dazu. Also es gab gar keinen Grund, warum wir nur mit diesen sechs gestartet sind.

Ich glaube, dass es sinnvoll ist, dass man sich am Anfang auf ein paar Märkte konzentriert, um das ganze System ans Laufen zu bekommen. Und jetzt, sukzessive, Monat für Monat, erschließen wir weitere Länder, weitere Märkte. Also ich glaube, das ist so ein ganz großer Masterplan. Wir haben überall die Möglichkeiten und haben natürlich von Anfang an auch die wichtigsten europäischen Märkte gecovert damit.

Die wichtigsten Märkte, Stichwort Deutschland. Also gerade, wenn man Europa als Autoland dann denken, ist das ja auch das, wo der meiste Absatz erreicht wird. Wie zufrieden seid ihr hier mit dem Start bisher?

Ich denke, wir können sehr zufrieden sein, wenn wir sehen, was wir an Kundenauftragseingängen in den letzten drei, vier Monaten generiert haben. Das wird jetzt auch sukzessive, werden wir es dann auch in den Zulassungszahlen sehen. In Summe, ja, sind wir zufrieden, aber natürlich täglich hart daran arbeiten, dass wir auf der Basis natürlich weiter nach vorne kommen.

Aber wir sind aktuell der stärkste Markt in Europa, also nicht nur aufgrund der Marktgröße, sondern aufgrund der Performance, die wir aktuell zeigen. Deswegen, wir sind zufrieden, aber immer mit dem Fokus eigentlich nach vorne auf den nächsten Monat. Wir schauen auch nicht zurück, sondern wir haben unseren Weg, unseren Plan und den wollen wir zielgerichtet gehen.

Nun haben wir aber ein Thema mit dem auch nicht nur ihr, sondern auch chinesische Marktbegleiter von euch zu kämpfen habt: die Marke. Da kommt noch die 5., 15., 25. Marke aus China gefühlt hier in Europa auf die Straße. Was macht Leapmotor anders? Dass es auch zuversichtlicher sein kann, dass ihr in fünf Jahren hier noch aktiv seid?

Da haben wir den riesigen Vorteil über dieses Joint Venture mit Stellantis. Wir haben hier im Endeffekt zwei Elternteile für dieses neue Baby. Wir haben auf der einen Seite einen chinesischen Tech-Konzern, der absolut fokussiert ist auf Elektromobilität, auf unheimlich großes Wachstum. Und auf der anderen Seite haben wir Stellantis, einer der weltgrößten Autoproduzenten mit weltweiten Produktionswerken, mit weltweiten Entwicklungsabteilungen, aber natürlich auch einen klaren Fokus auf den europäischen Markt, mit Sales-Organisationen. Und diese Kombination die viel enger ist wie viele andere Joint Ventures, weil sie 360 Grad auch eben den Vertrieb und das gemeinsame Vorankommen sichern, bieten natürlich eine ganz andere Basis, für so eine Marke in Europa und in Deutschland Fuß zu fassen und hat auch dann auf lange Sicht eine andere Relevanz.

Leapmotor | Leapmotor T03

Und dann, wenn wir auf Deutschland gehen, weil das Land ist ja erst mal eine Zusammensammlung an ikonischen Marken, die wir im Produktportfolio haben. Aber wenn wir hier in Rüsselsheim sitzen, dann haben wir hier eine OM-Struktur mit Opel. Wir haben über 10.000 Opel-Mitarbeiter in Deutschland. Wir haben zwei Produktionswerke, ein Komponentenwerk, Forschung, Entwicklung und Leapmotor ist eingebettet in eine OM-Struktur. Und das unterscheidet uns fundamental von allen anderen, die nach Europa kommen, mit einem gewissen chinesischen Mindset, sondern wir sind ja eingebettet und das Ganze geht ja weiter dann über das Händlernetz, wo wir dann glauben, dass wir natürlich aufgrund der Rahmenbedingungen eine ganz andere Ausgangsposition haben, die auch in Zukunft natürlich sehr stark aufspielen werden.

Wie weit ist Leapmotor damit, ein funktionierendes Service- und Händlernetzwerk in Europa aufzubauen?

Die erste Ausprägung aus diesem Joint Venture ist sicherlich, mit welcher Geschwindigkeit wir in Europa und in Deutschland das Händlernetz ausbauen. Wir haben in Europa, Stand heute, 500 Vertriebs- und Service-Standorte. Wir haben in Deutschland 87 Vertriebs- und Service-Standorte, und das innerhalb von weniger wie neun Monaten. Allein die Geschwindigkeit im Ausbau des Netzes geht nur in Verbindung mit einem Player wie Stellantis. Das heißt, die Zielsetzung wird bis zum Halbjahr 100 Standorte sein. Wir werden bis Jahresende mindestens 120 Standorte haben. Und in der Ende-Ausbaustufe planen wir in Deutschland ein Netz von knapp 150 Standorten.

Es gibt 145 natürliche Märkte. Wir wollen in jedem natürlichen Markt mit einem Standort dann vertreten sein. Bedeutet irgendwo eine Convenience von knapp 85 Prozent und eine Customer Drive Time von knapp 23 Minuten. Wir werden überall präsent sein, sowohl natürlich in Metro-Areas, aber auch in den ländlichen Gebieten. Also wirklich eine flächendeckende Präsenz werden wir innerhalb der nächsten zwölf Monate bis Mitte 2026 aufgebaut haben.

Deswegen, die Frage ist: Wie plant ihr das in Zukunft? Wir sind eigentlich schon auf der letzten Meile zum Thema Händlernetz, was uns dann auch unterscheidet von anderen Playern, die gerne ein Netz aufbauen wollen, aber die sich dort wahrscheinlich deutlich schwerer tun wie wir.

Mit welchem Vertriebsmodell ist Leapmotor in Europa gestartet – direkt, über Händler oder als Agenturmodell?

Für uns war von Anfang an klar, dass wir über das klassische Händlervertragsmodell die Marke dann in Europa und in Deutschland in den Markt bringen werden, weil wir glauben, wir brauchen momentan auch eine schnelle Reaktionsfähigkeit, Adaptionen, Marktanpassungen, und die erlaubt es uns im Händlervertrag, viel schneller und enger mit unseren Händlern die richtigen Weichen zu stellen, als in einem Agentursystem.

Und zum Thema Direktvertrieb, ich glaube, hat der eine oder andere Marktteilnehmer probiert. Wird auch gerade eher wieder zurückgefahren. Also das ist sicherlich, ohne Handel in Deutschland Erfolg zu haben, ist aus meiner Meinung nicht möglich. Deswegen, wir machen das mit dem Handel. Wir haben die Möglichkeit oder wir haben natürlich auch die Möglichkeit genutzt, die besten Stellantis-Händler für Leapmotor zu gewinnen und mit den Händlern gemeinsam das Thema nach vorne zu bringen und deswegen klar, Händlervertrag und das war von Anfang an für uns eine Grundbedingung, um die Marke nach Europa zu bringen.

Wenn ihr die Marke nach Europa bringt, dann bringt ihr auch eben die chinesischen Fahrzeuge hierher. Wie muss ich mir das vorstellen? Sind Anpassungen an die europäischen Vorschriften oder Kundenwünsche erforderlich?

Das sind im Endeffekt zwei Dimensionen. Auf der einen Seite haben wir natürlich unterschiedliche Punkte bezüglich Anforderungen für den europäischen Markt. Wir haben in Europa verpflichtend ein Fußgänger-Warngeräusch bis 30 km/h. Also müssen die Fahrzeuge natürlich erst mal dann den rechtlichen Rahmenbedingungen von Europa entsprechen. Das ist eine Anpassung. Und das Zweite ist aber noch viel wichtiger, weil wir wollen auch oder die Kunden, glaube ich, erwarten oder wünschen sich natürlich, wenn sie an ein chinesisches Fahrzeug denken, erst mal Konnektivität, die ganzen Stärken, die für chinesische Produkte stehen, aber wollen von den Fahreigenschaften eigentlich ein europäisches Produkt fahren. Also heißt das ganze Thema Dämpfung des Fahrzeugs, Lenkverhalten, eher ein etwas sportlich abgestimmtes Fahrzeug. Deswegen ist es für uns so essentiell, auch da in Verbindung mit Stellantis und den Ingenieuren.

Bei dem C10 beispielsweise haben die letzten drei, vier Monate intensiv die Ingenieursteams von China und auch Stellantis zusammengearbeitet. Wir haben, glaube ich, jetzt schon ein super Setup gefunden, was das Thema Fahrverhalten anbelangt. Und das ist das, was europäische Kunden erwarten von einem Fahrzeug. Die haben eine gewisse Vorstellung, die müssen wir treffen. So auf der einen Seite haben wir rechtliche Rahmenbedingungen, auf der anderen Seite haben wir natürlich einen klaren Plan, dass wir die Fahrzeuge, die wir in Deutschland haben und in Europa haben, dass die natürlich den Kundenanforderungen hier entsprechen. Deswegen, die Fahrverhalten werden komplett unterschiedlich sein zwischen unseren chinesischen Modellen und den Modellen, die dann schlussendlich in Europa sind.

Du hast das wichtige Thema Konnektivitätssoftware angesprochen, wo China definitiv Vorreiter ist, was man sagen kann, natürlich mit Ausprägung für den dortigen Markt. Ist das ein Thema, was ihr auch adaptieren müsst, dementsprechend?

Erst mal das große Asset, das wir von Leapmotor mitbringen, ist das ganze Thema Software. Man muss auch verstehen, das Thema kommt davon, wir haben eine Fertigungstiefe bei Leapmotor von über 60 Prozent. Das heißt, alle Kernkomponenten werden inhouse entwickelt und inhouse produziert. Auf dem Level gibt es nur Tesla, die eine ähnliche vertikale Fertigungstiefe haben. Das erlaubt uns natürlich konnektivitätsmäßig, dadurch dass alles inhouse entwickelt wird, ganz anders in das Fahrzeug einzugreifen, ganz andere Möglichkeiten der Steuerung der Fahrzeuge, auch was das ganze Thema Over-the-Air-Updates angeht. Da sind wir, glaube ich, auch den anderen chinesischen Marktteilnehmern, das ist ein richtiges Asset von uns. Da sind wir, glaube ich, ganz weit oben vorne mit dabei. Also von dem her, Konnektivität spielt eine Riesenrolle und dafür haben wir das eine Elternteil, das dafür sorgt, dass wir neueste Produkte bekommen.

Im Endeffekt sind unsere Fahrzeuge auch wie ein Device, wie ein Handy, das ständig aktualisiert wird. Und eben, Over-the-Air, ich glaube, viele Hersteller behaupten von sich, sie machen Over-the-Air was, aber es ist dann schon ein Unterschied, ob ich eine Navi-Karte ruckellos einspielen kann oder ob ich wirklich fundamental das Auto weiter verbessern kann, auf Kundenwünsche einzugehen. Und ich glaube, ein riesen Punkt aktuell, den wir sehen, ist, dass wir, dass unsere chinesischen Partner jede Woche abfragen, welche Verbesserungen wir eigentlich an den Fahrzeugen vornehmen müssen, dass wir noch schneller darauf reagieren können auf die Kundenwünsche.

Und dann kommen so teilweise banale Sachen, aber wir hatten ein Thema, dass ein Kunde im Dezember uns mitgeteilt hat. Es wäre ganz schön. Wir haben ja diese Panoramadächer, die verdunkelbar sind. Und die Basiseinstellung war, dass beim Verlassen des Fahrzeugs das Dach dann immer wieder zurückfährt. Und da war der Wunsch, dass es doch beim letzten Status einfach verbleibt, wenn man wieder ins Auto zurückkommt. War jetzt für die Ingenieure und für die Programmierer jetzt kein großes Thema, aber solche Themen werden sofort aufgenommen und werden dann innerhalb von unheimlich kurzer Reaktionszeit in das nächste Master-Update für das Auto mit integriert.

Man hat im Endeffekt ständig ein aktualisiertes Auto, wenn man einen Leapmotor fährt, das sich wie ein Handy aktualisiert, bis zu dem Zeitpunkt, wo ich dann vielleicht einen Wunsch habe nach besserer Hardware, irgendwann nach einem größeren Akku, nach schnelleren Ladegeschwindigkeiten. Aber softwaremäßig aktualisiert sich dieses Fahrzeug ständig mit. Also ich habe nie ein veraltetes Fahrzeug und das ist, glaube ich, was, was uns von vielen anderen unterscheidet. Und deswegen, ja, Konnektivität ist ein Schlüssel und ein Kernpunkt von Leapmotor.

Du hast ja jetzt ein wichtiges Beispiel gebracht in dem Zusammenhang. Martin, du hast gesagt, es gibt eine wöchentliche oder regelmäßige Rückmeldung auch an China, die das dann eben anpassen für den europäischen Markt. Werden wir die Implementierung von europäischen Fortschritten im China Geschäft von Leapmotor sehen?

Ich glaube, das Wesen des Joint Ventures wird ja ein Austausch sein, also auch klarerweise auf Ingenieurs-Level. Da sind wir am Anfang. Momentan ist es eher so, dass Leapmotor sicherlich profitiert von den europäischen Ingenieuren, dass wir unsere Fahrzeuge für den europäischen Markt abstimmen. Aber natürlich, für die Zukunft wird es eine Zusammenarbeit geben und wird einen engen Austausch geben, sodass auch Entwicklungen, die wir bei den Schwestermarken haben oder im Stellantis-Konzern, dass man sicherlich dann auch schaut, sukzessive, dass wir auch Funktionalitäten finden werden in Leapmotor-Fahrzeugen, generell auch für den chinesischen Markt.

Wir haben so viel Expertise, wenn ich jetzt an Opel denke, das ganze Thema Licht und auch Sitz. Das sind zwei Kernthemen. Da ist Opel seit Jahrzehnten eigentlich definitiv im Mainstream-Bereich Vorreiter in diesen beiden Punkten. Da kann auch ein chinesischer Autobauer unheimlich davon profitieren, von dem Know-how, das eigentlich dann über Opel, über Stellantis dann mit zur Verfügung stehen kann. Deswegen, je länger die Zeit und dieses Joint Venture läuft, ich glaube, desto enger wird auch der Austausch in beide Richtungen gehen.

Wird Leapmotor in Europa auch Fahrzeuge mit Stellantis-Technik anbieten oder bleibt es bei Leapmotor-Plattformen?

Aktuell sind wir bei Stellantis eher mit Multi-Energie-Plattformen unterwegs, aber dass zukünftig reine Elektroplattformen, dass Expertisen geteilt werden, das, glaube ich, wird so kommen, um einfach das Beste aus allen Welten dann zu vereinen, um dann auch ein sauberes Auto zu konstruieren. Also das wird kommen. Ich glaube, jetzt aber kurzfristig geht natürlich Leapmotor mit dem Erfolg, der in China ist, natürlich auch erst mal den eigenen Weg in der Entwicklung und hat dort ja auch extrem viel Expertise im Bereich Elektromobilität.

Inwiefern hebt sich Leapmotor technologisch von etablierten Wettbewerbern wie Hyundai, BYD oder Tesla ab?

Ich denke, auf der Fahrzeugseite, also das, was wir vorher ausgeführt haben, das ganze Thema Konnektivität, ich glaube, da sind wir wirklich sehr, sehr weit vorne mit unseren Produkten. Ansonsten, ganz ehrlich, schauen wir auch weniger auf diese. Jetzt, vertriebsseitig, schauen wir natürlich auf die Mitmarktteilnehmer, um auch unsere Position im deutschen Markt zu finden. Produktseitig, glaube ich, sind wir mit allem, was aus China kommt, auch auf Augenhöhe. Und wir konzentrieren uns auf uns, auf unseren eigenen Weg, eben mit der Power von Stellantis im Rücken.

Wie begegnet Leapmotor möglichen politischen Widerständen und Handelszöllen? Wird Leapmotor eigene Produktionskapazitäten in Europa aufbauen oder auf Stellantis Werke setzen?

Es sind dann im Endeffekt zwei Fragen. In einer, erst mal zu den Themen Zöllen. Also wir unterliegen klarerweise genauso den Zöllen wie die anderen Marktteilnehmer. Wir machen uns darüber aber eigentlich keine großartigen Gedanken. Wir können die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht ändern. Ich glaube, wir fokussieren oder nutzen unsere Zeit, uns zu fokussieren, wie wir den Erfolg in Europa und in Deutschland sicherstellen wollen. Deswegen, wir werden immer die Rahmenbedingungen managen müssen.

Bisher beweisen wir, dass wir trotz der Zölle ein unheimlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis von dem T03 mit diesen 18.900 Euro hinbekommen. Und von dem her: Wir kümmern uns lieber, wie können wir hier Wachstum generieren und weniger dann in den Rückspiegel schauen und uns Themen über Gedanken machen, die wir dann nicht direkt beeinflussen können. Aber natürlich, und das ist dann der zweite Teil der Frage, natürlich ein Kernpunkt dieses Joint Ventures ist unter Führung von 51 Prozent Stellantis, das Joint Venture, dass dort alle Vertriebs- aber auch Produktionsrechte außerhalb Greater China mit verankert sind. Und dadurch, dass wir mit Stellantis in mehr als 33 Ländern der Welt Produktionsstätten haben, haben wir natürlich eine Vielzahl an Möglichkeiten, die wir auch nutzen können und werden, wenn sie erforderlich sind. So kriegen wir auch einen Teil unserer aktuellen T03-Allokation auch aus Polen.

Wir haben innerhalb von sechs Monaten ein Werk in Polen so weit umgerüstet, dass dort Autos vom Band rollen können. Und auch für die Zukunft gibt es, wenn es erforderlich ist, haben wir mit relativ kurzen Vorlaufzeiten, können wir die Fahrzeuge lokalisieren, sprich in Europa produzieren.

Das heißt, die Fertigung in Polen, die ihr kurzfristig aufgebaut habt, die trägt auch dazu bei, dass ihr dementsprechend auch bei den 18.900 Euro noch den einen oder anderen Euro verdient und auch das ganze Geschäft hier am Laufen halten könnt?

Es ist dann immer im Zuge eine Mischkalkulation und eine Mischbetrachtung. Wir wissen, dass wir erst mal als neuer Player in einem Markt, dass auch die Erwartungshaltung der Kunden natürlich ist, ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis darzustellen. Also die Preispunkte ergeben sich dann auch vom Wettbewerb her und wir werden natürlich alles machen, um nach wie vor dort mit der Aggressivität auch am Markt zu sein. Und was uns dann unterscheidet, dass wir halt auch mit den Modellen von Anfang an in die Herzsegmente dann auch in Europa kommen.

Also bei uns hört der C10 voll ausgestattet, D-Segment SUV bei 39.100 auf. Da fangen andere Marktteilnehmer erst an. Wir haben auch nicht den Anspruch oder wir glauben auch nicht, weil wir den europäischen Markt kennen, wir glauben auch nicht, dass es sinnvoll ist, nach Europa zu kommen, zu glauben, ich spiele auch sofort im Premiumsegment mit. Das sind alles tolle Autos, die kommen, aber die Erwartungshaltung ist dann irgendwo, Premium, Premiumpreise, natürlich auch Premiummargen zu realisieren. Und ich glaube, das ist der große Unterschied dann zu Leapmotor. Wir wissen, wo wir gemeinsam mit dem Stellantis-Konzern beheimatet sind und das ist schwerpunktmäßig im Volumensegment. Und auch da die klare Ansage: Wir kommen mit einem Kleinwagen.

Trotz Zölle treffen wir, glaube ich, gerade den Nerv oder die Diskussion nach bezahlbarer Elektromobilität im Kleinwagenbereich. Und da sehen wir uns gut aufgestellt und wir gehen eher dann in das Herz, also übertragen gesehen in das Herz der deutschen Automobillandschaft, nämlich in A-, B- und C-Segment.

Du hast gesagt, Produktion- und Vertriebsrechte liegen bei 51 Prozent dann auch mit Stellantis hier für Europa. Jetzt haben wir auch das Thema, ihr bringt aktuell chinesische Modelle mit Adaptierung nach Europa. Gibt es Pläne für ein europäisches Forschungs-, Entwicklungs- und/ oder Designzentrum?

Ich glaube, der Beginn ist ja gemacht, also der Austausch von Ingenieuren, dass es eben Feedback gibt, dass europäische Ingenieure, Leapmotor-Fahrzeuge, dann mit und vor allen Dingen weiterentwickeln und dass ein Austausch stattfindet, wo der stattfindet. Ich glaube, dass es bisher schon sehr, sehr gut funktioniert mit den Möglichkeiten, die wir haben. Wir haben ja auch bei Stellantis weltweite Entwicklungs- und Forschungszentren, die miteinander vernetzt sind. Inwieweit man dort dann Leapmotor noch enger integriert, das ist, glaube ich, ein Punkt, den man in der Zukunft sehen muss.

Es hängt sicherlich von vielen Variablen ab, wie ist der Markterfolg weiterhin von Leapmotor in China? Wie schnell bekommen wir in Europa eine relevante Masse und eine relevante Aufmerksamkeit? Aber ich glaube, in diesem Konstrukt, das lässt für alle Möglichkeiten, haben wir viel Spielraum der Zusammenarbeit und man wird, glaube ich, aus Konzernsicht alles nutzen, was den Marken, was den jeweiligen Firmen dann natürlich weiterhilft.

Vielen Dank, Martin, für deine Zeit und für die Einblicke hinter die Kulissen von Leapmotor.

Danke dir und ich hoffe, wir machen irgendwann mal ein Update.

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