Kinky comforts

Endlich auch einmal beim Clickbaiting mitmachen. Mit einer einigermaßen schnittigen Überschrift, die selbstverständlich nicht hält, was sie zu versprechen scheint. Und doch passt sie gut und wahrheitsgemäß zum folgenden Inhalt. Es geht noch einmal um das Durchbrechen der längst chronifizierten mäßigen, wenn nicht sogar schlechten Laune. Wozu ich, wie gestern erwähnt, manchmal Hilfsmittel benötige. Sie... Der Beitrag Kinky comforts erschien zuerst auf Buddenbohm & Söhne.

Mär 22, 2025 - 14:06
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Kinky comforts

Endlich auch einmal beim Clickbaiting mitmachen. Mit einer einigermaßen schnittigen Überschrift, die selbstverständlich nicht hält, was sie zu versprechen scheint. Und doch passt sie gut und wahrheitsgemäß zum folgenden Inhalt.

Es geht noch einmal um das Durchbrechen der längst chronifizierten mäßigen, wenn nicht sogar schlechten Laune. Wozu ich, wie gestern erwähnt, manchmal Hilfsmittel benötige. Sie werden das vermutlich kennen, auch wenn wir verschiedene Hilfsmittel dabei anwenden. Der Trost wird divers ausfallen.

Bei mir war es gestern etwa das Hören plattdeutscher Versatzstücke in einem gesprochenen Text von Uwe Johnson,  das unvermutete Wohlgefühl bei der Wahrnehmung der Sprache. Es gibt noch etliche andere Elemente im Alltag, die unter „Immerhin“ fallen können. Oder die zumindest als Kurzeintrag in die aus mittlerweile vielen Blogs bekannte Rubrik „Was schön war“ passen.Und wenn diese Stimmungskrücken und Seelenheilmittelchen überraschend gefunden werden, dann wirken sie oft noch besser.

So erging es mir heute auf dem morgendlichen Weg zum Bäcker mit dem gerade erschienenen, von mir nicht erwarteten letzten Album des großen, leider unlängst verstorbenen Country-Sängers Kinky Friedman (Wikipedia-Link zu ihm): „Poet of Motel 6“ (Bandcamp-Link zum Album).

Ich habe eine ausgeprägte Vorliebe für die etwas schrägeren Vögel der Country-, Americana- oder Roots-Szene. Wie auch immer man da welches verästelte Sub-Genre weiter definiert, bis zu Bluegrass, Rhyhtm and Blues, Folk etc. Es ist kompliziert. Und alle Schubladen werden verbissen von nerdigen Menschen bewacht, die zu ihrem Lieblingsfach erstaunlich vieles wissen, oft auch besser.

Für jene Sängerinnen oder Sänger jedenfalls habe ich eine Vorliebe, die manchmal musikalisch, oft aber nur durch exzentrische Texte aus dem Mainstream der in der Mitte schlagerhaft schmalzigen Gattung fallen. Diese Exzentrik war bei Kinky Friedman manchmal an den Titeln abzulesen („They ain’t making jews like Jesus anymore“ oder „Asshole from El Paso“). In den Texten wurde es bei ihm zuverlässig ab- und hintergründig, musikalisch blieb es oft eher gefällig.

Und ich habe eine morbide Vorliebe für letzte Werke und Auftritte, für Abschlusswerke und musikalische Hinterlassenschaften, Vermächtnisse und unvollendete Reste.

Der titelgebende Song auf dem neuen und letzten Album von Kinky Friedman ist einem anderen verstorbenen Country-Sänger gewidmet, Billy Joe Shaver (Wikipedia-Link). Der letzte Song bezieht sich auf Whitney Walton alias Miranda Grosvenor. Deren Geschichte kannte ich auch nicht, aber was für eine abgefahrene Geschichte das ist.

Ich hörte also einen Song aus dem neuen Album wie nebenbei und hatte nach zwei Stunden auf einmal dies und das nachgelesen, neue Storys und Zusammenhänge kennengelernt und auch etliche Clips gesehen. Ich hatte Alben und Künstler gefunden, hatte mir vieles abgespeichert und vorgemerkt und dabei nicht einmal das Gefühl, Zeit verschwendet zu haben.

Im Gegenteil.

Aber sowieso stets und wie pflichtgemäß dem weißen Kaninchen folgen, ich kann eh nicht anders.

Heute denke ich daher noch weiter an die sympathischeren Aspekten der USA-Kulturgeschichte und werde musikalisch vermutlich nostalgisch. Ich werde alte, abgelegene Outlaw-Country-Alben hören, während ich dabei durch Hamburg flaniere. Vielleicht passe ich mein Verhalten auch ein wenig an den Soundtrack an und trete ebenfalls aus der Norm, gehe bei Rot über eine Ampel oder dergleichen.

Oder ich fahre mit dem Auto mal eben in den Garten, „See you down the highway“. Man muss es sich alles zurechtbiegen, und dann geht es wieder eine Weile.

Vielleicht sogar bis man das nächste Highlight im Alltag findet.

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Das U-Bahn-Gleis in der Station Hafencity-Universität, die Leuchten mit dem Wechsellicht sind gerade grün

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