FC Valencia gegen den Abstieg: Eine neue Hoffnung?

Nach Jahren des sportlichen Niedergangs befindet sich der FC Valencia mitten im Abstiegskampf. Doch unter dem neuen Trainer zeigt die Formkurve wieder nach oben. Reicht das, um auf eine bessere Zukunft zu hoffen?

Mär 15, 2025 - 12:40
 0
FC Valencia gegen den Abstieg: Eine neue Hoffnung?

Es läuft die 87. Spielminute: Valencia liegt mit 2:3 in Osasuna zurück. Sergi Canós bekommt tief in der gegnerischen Hälfte den Ball. Er hat massig Platz auf dem linken Flügel, sieht seinen Mitspieler Umar Sadiq im Strafraum und flankt. Und Sadiq, der nimmt den Ball direkt mit der Hacke und setzt den ihn ins lange Eck – Tooor! Es steht 3:3 – Valencia gelingt kurz vor Schluss der Lucky Punch! „Die Fledermäuse“ nehmen doch noch einen Punkt aus Osasuna mit. Diese Szene von Anfang März ist exemplarisch für das Gesicht Valencias in den vergangenen Wochen: Die Moral stimmt! Immer wieder muss die Mannschaft Rückschläge einstecken, doch sie bleibt dran und belohnt sich.

Erste Erfolge im Abstiegskampf

Mit drei Siegen aus den letzten sechs Spielen konnte der FC Valencia sich aus der direkten Abstiegszone herauskämpfen. Dabei verlor das Team nur einmal und das gegen das Spitzenteam von Atlético Madrid. Nun, auf dem 16. Tabellenplatz und damit zwei Plätze über dem Strich, ist der Klassenerhalt so realistisch wie nie zuvor in dieser Saison.

Seit Weihnachten ist Carlos Corbéran neuer Cheftrainer und holte in neun Ligaspielen ganze 15 Punkte, davon elf Zähler in den letzten sechs Partien. Für den Spanier ist es die Rückkehr in seine Geburtsstadt und seine erste Cheftrainerstation in der Heimat. Zuletzt stand er gut zwei Jahre bei West Bromwich Albion unter Vertrag. Seinen Wechsel mitten in der Saison ermöglichte ihm eine Ausstiegsklausel.

Bei seiner Vorstellung Ende Dezember hatte Corbéran direkt klargemacht, dass er an den Klassenerhalt des Traditionsklubs glaubt. Damals stand Valencia noch auf dem 19. Tabellenplatz. Cobéran sagte bei seiner Vorstellung: „Ich bin mir natürlich der aktuellen Schwierigkeiten bewusst, aber ich bin mir auch der Geschichte, die wir repräsentieren, sehr bewusst.“

Auch zu seiner Spielphilosophie wurde der neue Trainer auf seiner Vorstellungspressekonferenz befragt. Er selbst sprach davon, dass ihm zwei Gleichgewichte wichtig seien. In der Defensive das Gleichgewicht zwischen Aggressivität und Stabilität und in eigenem Ballbesitz das Gleichgewicht zwischen Progression und Kontrolle. In der Praxis spielt Valencia nach Ballgewinn oft zügig und manchmal auch risikoreich nach vorn. Es soll schnell gehen, damit die Gegenspieler keine Zeit haben, sich zu sortieren. Corbéran lässt seine Mannschaft teilweise mit hohem Druck den Gegner anlaufen, fordert von seinen Spielern aber auch, dass sie eher tief und kompakt stehen. Das Kalkül ist, phasenweise Druck auf den Gegner auszuüben, ohne sich dabei komplett zu verausgaben.

Bereits im ersten Spiel nach Corbérans Verpflichtung Anfang Januar war sein Ansatz des vertikalen Fußballs gut erkennbar. Im Nachholspiel gegen Real Madrid liefen die „Fledermäuse“ nach einer knappen halben Stunde mit hohem Druck den madrilenischen Außenstürmer Rodrygo an und erzwangen so seinen Ballverlust. Nach der Balleroberung spielten die Valencianos schnell nach vorn und konnten innerhalb von 15 Sekunden treffen. Die Königlichen waren vom vertikalen Spiel Valencias überrumpelt worden. Am Ende konnte Real durch zwei späte Treffer zwar das Spiel für sich entscheiden, doch es war ein Auftritt des FC Valencia, der Mut machte.

Valencias Außenstürmer Luis Rioja lobte bereits im Februar seine Mannschaft, als sie noch auf einem Abstiegsplatz stand. Im Interview nach dem Unentschieden gegen den Lokalrivalen FC Villarreal sagte er: „Ich glaube, die Mannschaft hat große Schritte gemacht, was die Spielweise, aber auch die Ergebnisse anbelangt.“ Er selbst war im vergangenen Sommer erst nach Valencia gewechselt und gehörte seitdem zu den Stammspielern. Der Sechser Enzo Barrenechea und der Rechtsverteidiger Dimitri Foulquier sind inzwischen auch nicht mehr aus der Startelf wegzudenken. Sie profitierten eindeutig vom Trainerwechsel. Barrenechea ist besonders im Spielaufbau wichtig und lässt sich deshalb immer wieder zwischen die beiden Innenverteidiger fallen. Foulquier schiebt häufig nach vorn und sorgt mit Hereingaben in die Mitte oder eigenen Läufen in den Strafraum für Gefahr vor dem gegnerischen Tor.

Alles läuft deshalb aber noch lange nicht rund beim FC Valencia. Torhüter Giorgi Mamardashvili stand zuletzt häufiger in der Kritik, und aus dem Vereinsumfeld werden die Stimmen immer lauter, die fordern, dass der im Sommer geholte Ersatzmann Stole Dimitrievski übernehmen solle. Dabei lieferte der georgische Nationaltorwart vergangene Saison noch überragende Leistungen ab und glänzte bei der EM. Er überzeugte so sehr, dass Liverpool im vergangenen August 30 Millionen für ihn auf den Tisch legte und ihn anschließend für eine Saison zurück nach Valencia verlieh.

Doch im letzten Ligaspiel gegen Valladolid spielte er ohne Not den Ball in die Füße des Gegenspielers. Dieser nutzte den Aussetzer des Georgiers und vollstreckte eiskalt zum zwischenzeitlichen 1:1. Im Anschluss an das Spiel wurde Corbéran auf der Pressekonferenz nach dem Patzer seines Keepers gefragt und ob es nicht Zeit wäre, dem Ersatztorhüter Dimitrievski eine Chance zu geben. Er winkte ab und lobte die Reaktion seines Stammkeepers: „Ich weiß es zu schätzen, dass er nach dem Fehler, den er bei dem Gegentor gemacht hat, in der Lage war, eine großartige zweite Halbzeit zu spielen.“

Corbéran kann sich endlich beweisen

Gelingt dem neuen Hoffnungsträger mit dem FC Valencia der Klassenerhalt, hat er sich zum ersten Mal in einer der fünf großen europäischen Ligen bewiesen. Bislang überzeugt der gebürtige Valenciano Corbéran mit seiner Kommunikation und der Leistung seiner Mannschaft. Ein Teil des Wohlwollens seitens der Fans ihm gegenüber liegt sicherlich auch in seiner Herkunft begründet, ohne Zweifel ist es ihm aber auch gelungen, seiner Jugendliebe wieder sportlich Leben einzuhauchen.

Vom alten Glanz des FC Valencia war in den vergangenen Jahren ohnehin nicht mehr viel übrig. Noch vor gut 20 Jahren waren die „Fledermäuse“ 2002 sowie 2004 spanischer Meister geworden und hatten zuvor 2000 sowie 2001 das Finale der Champions League erreicht. 2014 übernahm dann der Milliardär Peter Lim aus Singapur den Verein. Bis 2019 schaffte es der Klub auch unter ihm weiterhin noch regelmäßig zu den Schwergewichten der Liga zu gehören, als er ein letztes Mal die Copa del Rey gewann. Seitdem beendeten die Mannschaften die Saison jedoch nie besser als auf dem neunten Tabellenplatz. Wie kam es zum sportlichen Absturz?

Ein Teil der Erklärung liegt in der Transferpolitik. Valencia gibt schon länger seine Leistungsträger für viel Geld ab, doch seit 2020 kam kaum noch adäquater Ersatz. Die Dysbalance zeigt sich auch in den Transferbilanzen: in vier der letzten fünf Jahre wurde jeweils ein zweistelliger Millionenbetrag als Transferüberschuss erwirtschaftet. Das muss nicht zwangsläufig ein Problem sein, doch ist es im Falle Valencias. Die Transferpolitik der vergangenen Jahre ist Ausdruck eines stetigen Qualitätsverlusts im Kader. Bestes Beispiel ist der Sommer 2020: für insgesamt fast 90 Millionen Euro wurden Leistungsträger wie Ferran Torres, Rodrigo Moreno oder Geoffrey Kondogbia verkauft. Im Gegenzug kam kein einziger Spieler für einen längeren Zeitraum zum FC Valencia – lediglich ein paar Leihspieler wurden verpflichtet. Das Ziel war eindeutig nicht mehr sportlicher Natur, vielmehr schien es, als sollte der Kader durch Verkäufe Rendite erwirtschaften. Der Aderlass machte sich in der Folgesaison direkt bemerkbar. Valencia rutschte auf Platz 13 ab. Das internationale Geschäft ist seitdem außer Reichweite.

Licht am Ende des Tunnels

Peter Lim hatte bei der Übernahme des Vereins im Jahr 2014 jedoch nicht nur sportlichen Erfolg versprochen. Auch eine Fortsetzung und den baldigen Abschluss des Stadionneubaus hatte er angekündigt. Denn schon damals lag die Stadionbaustelle Valencias fünf Jahre lang brach. Die Pläne für das ambitionierte Stadionprojekt stammten noch aus der Erfolgsära der frühen Nullerjahre. 2007 begannen die Bauarbeiten, sie mussten jedoch bereits Anfang 2009 abgebrochen werden. Angesichts der globalen Finanzkrise geriet damals auch der FC Valencia in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der Verein spielt deshalb bis heute im Estadio de Mestalla. Doch damit soll nun 2027 Schluss sein. Das verkündeten die Verantwortlichen im Januar dieses Jahres. Die Arbeiten am neuen Stadion wurden wieder aufgenommen und sollen bereits in gut zwei Jahren beendet sein. Fraglich bleibt, ob bis dahin noch Erstligafußball in Valencia gespielt wird.