Autobauer: Chinesischer Eigner feuert Volvo-Chef und holt einen alten Bekannten zurück

Erdbeben bei Volvo, der schwedischen Tochter des chinesischen Geely-Konzerns: Der 74-jährige Hakan Samuelsson ist wieder Volvo-Chef – er wurde in der deutschen Industrie groß

Mär 31, 2025 - 12:07
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Autobauer: Chinesischer Eigner feuert Volvo-Chef und holt einen alten Bekannten zurück

Erdbeben bei Volvo, der schwedischen Tochter des chinesischen Geely-Konzerns: Der 74-jährige Hakan Samuelsson ist wieder Volvo-Chef – er wurde in der deutschen Industrie groß

Nach knapp drei Jahren ist der Generationswechsel beim Autobauer Volvo gescheitert: Schon von Dienstag an kehrt Hakan Samuelsson an die Spitze von Volvo Car zurück, wie das schwedische Unternehmen am Sonntag mitteilte. Samuelsson ist 74 Jahre alt und war bereits zwischen 2012 und 2022 Volvo-Chef – in Deutschland ist er als CEO des Lastwagenherstellers MAN bekannt geworden. 

Die jetzige Kehrtwende an der Spitze von Volvo kommt laut Firmenkennern plötzlich – nach außen gab es keine Vorzeichen. Der Chefwechsel, der einer Mitteilung zufolge am Wochenende im Verwaltungsrat abgesegnet wurde, ist das Werk des chinesischen Geely-Konglomerats und von dessen Eigner Li Shufu, der sich mitunter auch Eric Li nennt. „Wir sind sehr glücklich, Hakan Samuelsson wieder als CEO zu begrüßen“, sagte Li als Volvo-Car-Verwaltungsratschef laut einer Mitteilung. „Er bringt eine seltene Kombination von tiefer Branchenkenntnis, strategischer Klarheit und Führungserfahrung mit und Hakan kennt das Unternehmen in seiner Breite.“ Auch verwies Li auf die Schwierigkeiten, vor denen Volvo stehe: rascher Technologie-Wandel, geopolitische Herausforderungen und wachsender Wettbewerb. 

Genaue Gründe für die Ablösung des bisherigen Chefs Jim Rowan nennt die Pressemitteilung nicht. Sie gibt an, er trete zurück und verzeichnet lediglich einen knappen Dank an den gebürtigen Briten, der unter anderem für den Staubsaugerhersteller Dyson gearbeitet hatte und im Gesellschafterausschuss bei Henkel sitzt. 2022 hatte sich Samuelsson nach mehreren ungeplanten Mandatsverlängerungen unter Verweis auf sein Alter zurückgezogen und Platz für Rowan gemacht.

Volvo-Renaissance in Samuelssons Amtszeit

Jetzt soll der Alt-CEO laut der Mitteilung noch einmal für zwei Jahre bleiben und eine stabile Nachfolge vorbereiten. Ursprünglich war Samuelsson nach der Volvo-Übernahme durch Geely im Jahr 2010 nur als Aufsichtsrat zu dem schwedischen Autobauer gekommen. Nachdem der CEO krankheitsbedingt passen musste, sprang Samuelsson zunächst übergangsweise ein – und blieb immer länger, schließlich ein Jahrzehnt. Er verantwortete eine unerwartete Renaissance von Volvo unter dem chinesischen Neu-Eigner und bereitete schließlich den Börsengang im Jahr 2021 vor.

Geely schrieb damit eine der raren Erfolgsgeschichten von chinesischen Autobauern im Westen. Der Konzern mit seinem Eigner Li ist nicht nur Besitzer von Volvo, sondern – mit knapp zehn Prozent – auch zweitgrößter Aktionär von Mercedes, Eigner von Lotus, Haupteigner von Smart und Großaktionär beim Industriekonzern Volvo AB. 

Volvo Car hatte zuletzt für 2024 Absatz- und Gewinnrekorde gemeldet. Allerdings steht das Unternehmen vor Schwierigkeiten im US-Geschäft, zudem machen ihn die Handelsstreitigkeiten und die Zollpolitik von Präsident Donald Trump besonders zu schaffen. Auch stößt der konsequente Elektrifizierungskurs von Volvo auf Probleme, weil die Märkte in Europa und Nordamerika E-Fahrzeuge nur zögerlich annehmen. Gut möglich, dass Verwaltungsratschef Li in dieser Lage auf einen zwischen China und dem Westen erfahrenen Manager wie Samuelsson setzen möchte.